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Gorleben - Bisher ist die Gorlebener Halle so gut wie leer. Gelbe Kreuze markieren die Stellen, an denen die sechs Atommüll-Behälter in der kommenden Woche in der Zwischenlager-Halle für die nächsten 40 Jahre geparkt werden sollen. Fast könnten die acht grauen, blauen und roten Castor-Behälter übersehen werden, die bereits am Ende des hangarähnlichen Gebäudes stehen. Insgesamt 420 Stellplätze gibt es in der 20 Meter hohen und 182 Meter langen Halle. "Rund ein Drittel wird in zehn Jahren besetzt sein", schätzt der Sprecher des Zwischenlagers, Jürgen Auer.
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"Der graue Behälter auf Platz elf ist als Erster gekommen, aus Philippsburg", sagt Auer. Das war im April 1995. Tausende Demonstranten hatten sich dem Atomtransport damals in den Weg gestellt. Rund ein Jahr später musste die Polizei erneut einem Container mit 28 Glaskokillen aus dem französischen La Hague den Weg freiräumen. Auch für eine Castor-Sechserladung mit Brennstäben aus Gundremmingen, Neckarwestheim und Atommüll aus La Hague gab es im März 1997 keine freie Bahn. 1998 wurden dann alle Transporte wegen radioaktiver Verunreinigung an der Außenhülle gestoppt. "Deswegen ist es hier immer noch so leer", sagt Auer.
Zwei Mal pro Jahr soll künftig ein Zug aus La Hague das Zwischenlager in Niedersachsen ansteuern, ab 2004 kommen außerdem jeweils sechs Behälter mit aufbereitetem Atommüll aus dem schottischen Sellafield hinzu. Insgesamt 166 Stück werden bis 2010 in Gorleben erwartet.
Bis auf zwanzig Meter dürfen sich Besucher den massigen Röhren nähern. Ein Messgerät für die Gamma-Strahlung ist an der rot-weißen Absperrkette angebracht. "783 Nanosievert pro Stunde", liest Auer ab und ergänzt: "Bei einem Flug nach Mallorca kriegen sie viel mehr Strahlung ab."
Die 55 Mitarbeiter des Brennelementelagers sind auf die Ankunft der Castoren aus Frankreich vorbereitet. Die grauen Schutzgestelle, unter denen die Castoren aus Frankreich in der kommenden Woche von der Verladestation in Dannenberg die letzten 20 Kilometer auf der Straße nach Gorleben gebracht werden, warten schon im Hof. Ein großes Schützenzelt ist für die Hundertschaften der Polizei als Frühstückssaal errichtet, in Dutzenden von blauen Containern warten Notbetten auf die Beamten. Es herrscht gespannte Ruhe innerhalb des 15 Meter hohen Erdwalls, der das Zwischenlager mitten im Gorlebener Forst umgibt. Ende voriger Woche hatten Umweltschützer für Aufregung gesorgt, als sie den Zaun überwanden und einen Funkmast für einige Stunden besetzen.
An der Verladestation nahe des Dannenberger Bahnhofs, wo die Castor-Behälter von der Schiene auf die Straße umgepackt werden müssen, trifft die Polizei seit Tagen ihre Vorbereitungen. In der neuen Anlage können jetzt sechs 120-Tonnen-Behälter zugleich umgeladen werden. "Fünf Millionen Mark (35 Mill. Schilling) haben wir hier reingesteckt", sagt Hans-Otto Willax, Werksleiter des Zwischenlagers. "Eine zukunftsweisende Investition. Das ist jetzt der letzte heiß umkämpfte Castor, danach tritt ein Gewöhnungseffekt ein." Diesmal will er seine Techniker aber noch von Zäunen, Stacheldraht und Absperrgittern geschützt sehen, damit sie das zehnstündige Lademanöver ungestört abschließen können. Ein fahrbarer 160-Tonnen-Kran wird die Castoren von den Waggons auf die mehrachsigen Speziallaster heben, auf denen sie die letzten 20 Straßenkilometer bis zur Lager-Halle gebracht werden. Reuters
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