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Manche träumen davon, Geist und Maschine verschmelzen zu lassen - Forscher sind skeptisch.
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Berlin/Wien. (apa/dpa) Eine Maschine mit dem eigenen Geist ausstatten: Für manche Menschen wäre das die Erfüllung eines Traumes, für andere reiner Unsinn. Im nächste Woche anlaufenden Science-Fiction-Thriller "Transcendence" spielt Johnny Depp einen Wissenschafter, der bei einem Anschlag schwer verletzt wird. Seine Ehefrau entscheidet, sein Gehirn mit einem Computersystem zu verbinden und die Informationen auf einen Rechner zu übertragen.
Kann man ein solches Thema als reine Science Fiction abtun? Bisher "nach ganz überwiegender Meinung ja", wie Christopher
Coenen vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sagt. Die Vorstellung, das menschliche Bewusstsein von einem Körper zu lösen, gibt es aber schon seit Jahrzehnten. "Das ist eine Kernidee des Transhumanismus", sagt Coenen. Diese Bewegung um den US-Wissenschafter Ray Kurzweil habe sich seit den 1970er/80er Jahren formiert, die Idee sei schon in den 1920er Jahren entwickelt worden. Das Stichwort lautet "Mind Uploading", das bedeutet: den menschlichen Geist wie Daten auf eine Festplatte hochladen. Dahintersteckt auch die uralte Idee, sich unsterblich zu machen.
Der Transhumanismus hat einige finanzkräftige Anhänger
Welchen Stellenwert diese Bewegung des Transhumanismus besitzt, ist die Frage. "Es gibt vereinzelt Stimmen, die eine solche Möglichkeit - zumindest technisch gesehen - nicht als hanebüchen abtun", erklärt Coenen. Die Hoffnungen richteten sich auf Vorhaben wie das Human Brain Project der EU mit einem Budget von etwa einer Milliarde Euro: Das Ziel sei, menschliche Gehirnaktivität vollständig digital zu simulieren. "Aber entsteht dabei dann wirklich ein Bewusstsein?", fragt Coenen. Der Transhumanismus habe in einigen Kreisen vor allem in den USA und in Großbritannien Anhänger - auch finanzkräftige "IT-Milliardäre".
Nicht nur von der Künstlichen Intelligenz, sondern auch von Robotern geht eine Faszination aus. Wie menschlich können Roboter sein? Es gibt Roboter, die uns in ihrer äußerlichen Gestalt ähnlich sehen - sogenannte Humanoide. "Ich glaube aber ehrlich gesagt nicht, dass man Roboter mit Emotionen ausstatten kann", sagt Raul Rojas, Professor am Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin.
Eine mit Menschen verbundene Fähigkeit sei auch die Selbstreflexion, betont Michael Decker, stellvertretender Leiter des Instituts für Technikfolgeabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher KIT. "Wir können von einem Roboter keine Antwort auf die Frage bekommen, warum er eine Aktion gemacht hat." Außerdem seien etwa Gespräche so vielschichtig, dass sie ein Roboter nicht bewältigen könne. Er könne zum Beispiel Ironie oder den Wechsel zur Ernsthaftigkeit nicht erkennen.
Roboter in Filmen und Fernsehserien
In einer ganzen Reihe von Filmen und Fernsehserien spielen Roboter und andere Apparate mit ungewöhnlichen Fähigkeiten derzeit eine Rolle. Zum Beispiel in der derzeit im Kino laufenden Science-Fiction-Romanze "Her" von Spike Jonze. Ein Mann (Joaquin Phoenix) verliebt sich in eine Stimme (Scarlett Johansson) in einem Smartphone. Sehr menschlich aussehende Roboter bevölkern die Szenerie der schwedischen Serie "Real Humans" , die auf dem Sender Arte läuft: Menschen leben mit Androiden zusammen, die den Haushalt erledigen und als Liebhaber taugen. Rojas findet: "Ein guter Science-Fiction-Film stellt tiefgehende Fragen. Es wird auf technische Details geachtet."
Modernes Carsharing mit Autos ohne Chauffeur
Die meist übertriebene Darstellung von Robotern in Medienprodukten hat einen realen Kern. Tatsächlich werden die Fähigkeiten und Aufgaben von Robotern immer vielfältiger. So sitzen sie bereits in Pflegeheimen auf dem Schoß von Demenzkranken: Auch in Deutschland ist die aus Japan stammende Roboterrobbe Paro im Einsatz. Sie ist mit Sensoren ausgestattet, sieht aus wie ein weiches Plüschtier und soll helfen, Zugang zu Patienten zu bekommen. An der künstlichen Robbe hatte sich - wie an vielen anderen Erfindungen auch - Kritik entzündet. Gefragt worden sei beispielsweise, ob so etwas mit der Menschenwürde vereinbar sei, sagt Eric Hilgendorf von der Forschungsstelle Robotrecht an der Universität Würzburg.
Experimentiert wird darüber hinaus zum Beispiel mit Autos, die in einer nicht allzu fernen Zukunft ohne Fahrer über die Straßen flitzen sollen. Daran forscht Raul Rojas in Berlin. Getestet würden solche Fahrzeuge bereits im Straßenverkehr. Seine Vision: ein sehr modernes Carsharing. Es solle möglich sein, mit einem Mobiltelefon einen autonom fahrenden Wagen herbeizurufen und ihn sich mit anderen Menschen zu teilen. "Alle Menschen können davon profitieren" - vielleicht schon in 50 bis 60 Jahren, heißt es.

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