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Selbst die Ausweisung Arafats wird nicht mehr ausgeschlossen

Von Hans Dahne

Politik

Jerusalem - "Ich hörte eine gewaltige Explosion, sah Rauch, und dann flogen Busteile und menschliche Körperstücke durch die Luft. Es war fürchterlich." So beschreibt ein Augenzeuge den bisher blutigsten Selbstmordanschlag auf einen israelischen Bus seit Beginn des Palästinenseraufstands im Herbst 2000.


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Viele der in Jerusalem getöteten 20 Israelis sind Schüler und Studenten. Wie jeden Morgen nahmen sie den Vorortebus, der von der illegal gebauten jüdischen Siedlung Gilo im Südosten Jerusalems zum Busbahnhof im Stadtzentrum fährt. Um 8 Uhr hält der Bus im Vorort Katamon und fährt dann langsam auf eine Kreuzung zu. Die Ampel steht auf Rot. Dann explodiert der Bus. Der verletzte Fahrer erzählt, ein Fahrgast habe eine große Tasche dabei gehabt. Die Bombe zerfetzt das Dach des Busses und reißt große Löcher in die Seite.

Der 33. Anschlag in Israel in diesem Jahr hat nicht nur großes Leid über unschuldige Familien gebracht, sondern kann auch weit reichende politische Konsequenzen haben. Selbst die Ausweisung von Präsident Yasser Arafat wird nicht mehr ausgeschlossen. Schon nach dem Anschlag von Megiddo am 5. Juni waren israelische Einheiten in das Hauptquartier Arafats in Ramallah vorgerückt und hatten in dessen Schlafzimmer geschossen. Erstmals fuhr Ministerpräsident Ariel Sharon am Dienstag zum Ort eines Anschlages. Die Leichen lagen aufgereiht und zugedeckt am Straßenrand. Wutentbrannt sagte Sharon: "Über welche Art von Palästinenserstaat reden sie? ... Das Schreckliche, das wir heute sehen, ist eine Fortsetzung des palästinensischen Terrorismus, und dieser muss bekämpft werden. Das ist es, was wir tun."

Nach dem Besuch Sharons bei US-Präsident Bush hatten israelische Kommentatoren geschrieben, dass Sharon in Washington keine Garantie für Arafat abgegeben habe. Der Premier wolle noch ein oder zwei schwere Anschläge abwarten und Arafat dann ausweisen.

Die palästinensische Führung verurteilte den Anschlag. Kommunalminister Saeb Erekat sagte aber, Israel könne die Palästinenserführung nicht für den Anschlag verantwortlich machen, weil es mit seinen Militäroperationen in den Palästinensergebieten die Fähigkeit der Sicherheitskräfte zerstört habe. Erekat hofft, dass der Anschlag keine Auswirkungen auf die Nahost-Pläne von Präsident Bush habe, der in dieser Woche die Haltung der US-Regierung zum Nahost-Konflikt darlegen will.

Der Selbstmordattentäter gehörte der radikalen islamischen Hamas-Bewegung an. Bereits am Montag waren die israelischen Sicherheitskräfte in höchste Alarmstufe versetzt worden, nachdem der Geheimdienst vor fünf Selbstmordattentätern im Raum Jerusalem und Haifa gewarnt hatte. Der erste sprengte sich am Montagmorgen in Nordisrael in die Luft und verletzte dabei glücklicherweise niemanden.