)
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 25 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
"kreuz&quer" (ORF 2) befasste sich Dienstagabend mit der umstrittenen Spezies der "Gutmenschen" - wobei Willi Resetarits zu Recht bemerkte, dass niemand sich selbst als "Gutmensch" bezeichnet. Das Wort wird immer nur von Gegnern benutzt und zwar in beleidigender Absicht. "Der Gutmensch ist eigentlich eine heuchlerisch angelegte Figur", sagte denn auch Andreas Mölzer, der in "kreuz&quer" den Part des dezidierten Ungutmenschen übernommen hatte.
Im Widerspruch dazu kritisierten die anderen Befragten, dass im letzten Jahrzehnt jedes Engagement für Benachteiligte, Ausgestoßene oder Fremde dem Verdacht der Heuchelei und der Überheblichkeit ausgesetzt worden sei. Als Hauptgrund für diese Entwertung des solidarischen Handelns wurde die "Absicherung der Wohlstandsfestung" namhaft gemacht: Europa habe nach 1989 seine Türen geschlossen, und die mitleidlose Abkehr vom Elend der restlichen Welt sei die dazu passende Ideologie. Und wer sich ihr nicht unterwerfe, werde eben als einfältiger "Gutmensch" lächerlich gemacht.
Diese These hat zweifellos einen guten politischen Sinn, aber als Wahrheit über den "Gutmenschen" greift sie zu kurz. Schade, dass sich keiner der Befragten zu einem historischen Exkurs aufgerafft hat. Denn jeder Blick in die Religions-, Philosophie- und Kulturgeschichte hätte gezeigt, dass die Abneigung gegen das moralisch Richtige sehr viel älter ist als das Schengener Abkommen. Was mit dieser Erkenntnis bewiesen oder nicht bewiesen werden kann - das wäre schon wieder ein neues Diskussionsthema.
)
)
)