Zum Hauptinhalt springen

Slowakei: Experten warnen vor "Krisen nach der Krise"

Von WZ-Korrespondentin Karin Bachmann

Wirtschaft

Auto-Lobby fordert gezielte Förderung für Innovationen. | Ab Februar steigt Zahl der Sozialhilfeempfänger rapide. | Pressburg. An sich klingen die Prognosen des slowakischen Finanzministeriums optimistisch. Beim Bruttoinlandsprodukt soll 2010 ein Plus von 1,9 Prozent, 2011 und 2012 jeweils ein Zuwachs von rund vier Prozent zu verzeichnen sein. Damit scheinen Finanz- und Wirtschaftskrise ausgestanden. Experten warnen nun aber vor einer "Innovationskrise" und vor einer "Sozialkrise".


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Es wird bei uns nie wieder so sein wie vor der Krise", so Stefan Chudoba vom Automobilcluster - Westslowakei in Trnava. Nach wie vor sei die Slowakei ein "Auto-Montageland", in dem Innovation völlig vernachlässigt werde. Deshalb sei auch verkannt worden, dass etwa Elektromobile ab 2012 zum großen Renner werden dürften. Das sei umso verheerender, als das Wohl der Volkswirtschaft doch gerade von der Automobilindustrie abhänge, die derzeit nicht weniger als 35,8 Prozent zu den Exporten beitrage. Die Krise habe dazu geführt, dass sich die slowakische Automobilindustrie heuer sehr stark teile. Künftig seien wohl nur noch global vernetzte Unternehmen konkurrenzfähig. Darin liege aber auch eine Chance, wenn sich die slowakische Automobilindustrie rasch "im technisch erreichbaren Umkreis von 500 Kilometern" vernetze. Im Übrigen solle der Staat Fördermittel an Automotive-Unternehmen nur noch für konkrete innovative Projekte vergeben.

"Soziaie Zeitbombe"

Bis Ende 2008 hingen von der Automobilindustrie insgesamt rund 500.000 Jobs in der Slowakei ab. "Wir müssen nach der Krise froh sein, wenn es noch 450.000 sind, weil viele Unternehmen rationalisieren", sagt Chudoba.

Dass es an Jobs fehlt, weil Arbeitgeber nicht wieder einstellen, ist eine neue Erfahrung für viele Slowaken. Nicht wenige sehen darin eine "soziale Zeitbombe", an deren Entschärfung Arbeitsministerin Viera Tomanová zurzeit arbeitet. Ende des Jahres soll die Arbeitslosenquote bei 11,7 Prozent, Ende 2010 sogar bei 12,7 Prozent liegen.

Für nicht weniger als 67.000 Menschen läuft im Februar das Arbeitslosengeld aus, danach zahlt ihnen der Staat gerade noch 119 Euro Unterstützung. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger wird sich in den Monaten darauf noch deutlich erhöhen.