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Nach Beschuss durch Nordkorea sterben zwei südkoreanische Soldaten. | Pjöngjang und Seoul im Wettstreit der Drohungen. | Seoul/Wien. Die Reaktion aus Pjöngjang fiel aus, wie man sie erwarten durfte: Die anderen sind schuld. Nicht die Nordkoreaner hätten mit dem Beschuss südkoreanischen Territoriums begonnen, sondern umgekehrt. | Chinas Sorgen mit sturem Nachbarn | Das Trauma von 1953 lebt - vom Axt-Zwischenfall bis zur Atombombe | Kriegssorge erschüttert die Märkte
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Und weitere Militärschläge wurden gleich angedroht: "Sollte die südkoreanische Marionettengruppe es wagen, auch nur 0,0001 Millimeter in Nordkoreas Hoheitsgewässer vorzudringen, wird die revolutionäre Streitmacht nicht zögern, weiter gnadenlose militärische Gegenmaßnahmen zu ergreifen", hieß es in der von den staatlichen Medien veröffentlichten Erklärung des nordkoreanischen Truppenkommandos.
Zuvor hatte ein nordkoreanischer Granatenhagel die südkoreanische Insel Yeonpyeong getroffen. Südkorea erwiderte das Feuer und ließ Kampfflugzeuge aufsteigen.
Das martialische Auftreten des nordkoreanischen Regimes lässt die internationale Sorge um den Frieden im Fernen Osten wachsen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan forderte sein Kabinett auf, das Land "auf alle Eventualitäten" vorzubereiten. Russland warnte vor der immensen Gefahr einer Ausweitung der Gefechte und forderte ebenso wie Deutschland beide Seiten zur Mäßigung auf. Ähnlich lautete die Reaktion von China, dem engsten Verbündeten Nordkoreas. Die USA stellten sich klar auf die Seite Südkoreas und erklärten, sie stünden zur Verteidigung des Verbündeten bereit. US-Präsident Barack Obama zeigte sich "empört" über den nordkoreanischen Angriff. Die USA stünden "Schulter an Schulter mit Südkorea", sagte ein Sprecher.
Die Regierung in Seoul zeigt sich unterdessen bemüht, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Trotzdem sprach Südkorea von einer "klaren militärischen Provokation" durch den Norden und drohte mit einem "enormen Gegenschlag" für den Fall eines neuerlichen Angriffs. Eine erneute Stationierung von taktischen US-Atomwaffen auf der Halbinsel, kurzzeitig ins Spiel gebracht von Verteidigungsminister Kim Tae-young, sei allerdings keine Option, wurde rasch erklärt.
Zum Zwischenfall selbst hieß es, über 100 Granaten seien auf die Insel Yeonpyeong abgefeuert worden, die in zwischen beiden Seiten umstrittenen Gewässern liegt. Zwei Soldaten seien dabei getötet worden, 17 weitere sowie drei Zivilisten hätten durch den Beschuss Verletzungen erlitten. Viele Menschen flüchteten in Bunker, zahlreiche Häuser wurden in Brand geschossen.
Militärmanöver des Südens
Das Büro des südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak erklärte, der Beschuss sei vermutlich eine Reaktion auf eine reguläre südkoreanische Militärübung. Ein Militärvertreter versicherte aber, die dabei abgefeuerten Geschosse seien nicht in Richtung Norden, sondern in Richtung Westen gezielt worden.
Seit im März das südkoreanische Kriegsschiff "Cheonan" vermutlich durch ein nordkoreanisches Torpedo versenkt wurde und dabei 46 Soldaten ums Leben kamen, hat Südkorea die Zahl seiner großen Militärmanöver drastisch erhöht, von denen viele gemeinsam mit den USA durchgeführt wurden. Nordkorea hat dies stets als Provokation und als Vorbereitung für einen Angriff bezeichnet. Nicht die Kritik aus Nordkorea, sondern die aus China hat aber dazu geführt, dass kurz vor dem G20-Gipfel in Seoul ein gemeinsames Marinemanöver von Südkorea und den USA abgesagt wurde.
Hintergrund des Zwischenfalls ist der seit Kriegsende 1953 ungeklärte Verlauf der Grenze zwischen beiden koreanischen Staaten. Die UNO hatte die Seegrenze im Gelben Meer an der Westküste der koreanischen Halbinsel zum Ende des dreijährigen Korea-Krieges einseitig festgelegt. Pjöngjang erkannte den Verlauf nie an. Immer wieder gab es in dem Gebiet zwischen den beiden koreanischen Staaten Scharmützel bis hin zu Seeschlachten. Auch die "Cheonan" ging in denselben Gewässern unter, nahe der Insel Baengnyeong, deren Zugehörigkeit ebenso umstritten ist wie die von Yeonpyeong.
US: Keine Nuklear-Gespräche
Das sieben Quadratkilometer große Yeonpyeong ist von etwa 1600 Zivilisten bewohnt, wie viele Soldaten darauf genau stationiert sind, ist unbekannt. Auf die Insel selbst wurde bisher noch nie ein Angriff verübt. Es ist dies der schwerste Konfliktfall zwischen den beiden Staaten seit Jahrzehnten. Das südkoreanische Militär rief den höchsten Alarmzustand seit Ende des Koreakrieges aus.
Der Beschuss erfolgte nur einen Tag nach der Nachricht, dass Nordkorea an einer neuen Urananreicherungsanlage baut. Der US-Wissenschafter Siegfried Hecker, der die Anlage besichtigen durfte und die Botschaft davon in die Welt trug, schränkte allerdings ein: "Diese Anlagen scheinen vor allem für zivile Atomkraft konzipiert zu sein und nicht dazu, Nordkoreas militärische Fähigkeiten zu erhöhen." Zwar könnten die friedlichen Zwecke in militärische umgelenkt werden, aber zur Zeit gäbe es keinen Grund für die USA, am Sicherheitskalkül etwas zu ändern.
Die USA halten sich indes offenbar an andere Experten, die zu Vorsicht mahnen. Noch vor dem Beschuss der Insel schloss der US-Gesandte Stephen Bosworth, der sich zu Sondierungen in der Region aufhält, neue Treffen der sogenannten Sechsergruppe zum nordkoreanischen Atomprogramm aus, solange Nordkorea an einer Urananreicherungsanlage baut. Die USA betrachteten diese Entwicklung mit großer Sorge, erklärte Bosworth am Dienstag in Tokio. China hingegen drängt auf solche neuen Verhandlungen. Die Gesprächsrunde aus USA, China, Südkorea, Japan, Russland und Nordkorea ist seit etwa zwei Jahren ausgesetzt.
Trotz allen martialischen Tönen auf beiden Seiten sehen Beobachter keine Kriegsgefahr. Zu bezweifeln ist allerdings, ob es in der nächsten Zeit so harmonisch zugeht wie bei den derzeit in Südchina stattfindenen Asien-Spielen: Dort stand die Goldmedaillen-Gewinnerin aus Südkorea Yun Ok-hee nicht nur neben der Dritten aus Nordkorea, Kwon Un Sil, auf dem Podest, beide schüttelten einander nach der Siegerehrung auch anerkennend die Hände.
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