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Streitschlichter als Streithanseln?

Von Matthias G. Bernold

Wirtschaft

Seit dem 2. Juli haben Österreichs Mediatoren eine Dachorganisation. Im "Netzwerk Mediation" sammeln sich derzeit neun Konfliktschlichter-Vereinigungen aus den Bereichen der Wirtschafts-, Familien- und Umwelt-Mediation. Nicht alle sind mit dem neuen Dachverband glücklich . . .


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"Noch immer verwechseln viele Menschen Mediation mit Meditation", erklärt Rose-Marie Rath, Obfrau des Netzwerks und selbst Rechtsanwältin und Mediatorin. Dass die Mediationslandschaft bislang in vielerlei Gruppen mit unterschiedlichem Tätigkeitsbereich und unterschiedlicher Ausbildung aufgespalten war, habe es nicht begünstigt, außergerichtliche Konfliktregelung im Bewusstsein der Leute zu verankern. Spätestens jetzt, mit der Aussicht auf das neue Mediationsgesetz, das im Mai 2004 in Kraft treten soll, sei es an der Zeit, "mit einer einzigen Stimme zu sprechen".

Wer diese Stimme sein soll, darüber köchelt unter den Mediatoren allerdings ein Streit. Der 900 Mitglieder starke Österreichische Bundesverband der MediatorInnen (ÖBM) trat nach längeren Verhandlungen nicht dem Netzwerk bei. Obfrau Rath erklärt sich das so: "Die Mediatoren haben ein großes Autonomie- und Eigenverantwortungsbewusstsein - vielfach gibt es Ängste, diese Eigenverantwortung aufzugeben". Dass der ÖBM nicht mit an Bord ist, führt Rath auf Entwicklungsprozesse innerhalb des ÖBM zurück.

Beim ÖBM will man davon freilich nichts wissen. Vielmehr seien die Statuten des Netzwerks mit den Zielen des ÖBM unvereinbar, begründet Karin Schuhmann-Hommel, ÖBM-Bundessprecherin: "Während das Netzwerk in erster Linie die Interessen der Quellberufe - d. h. der Anwälte, Therapeuten und Sozialarbeiter - vertritt, ist uns die Mediation selbst ein Anliegen."

Friedliche Koexistenz

Für die Zukunft möchte Schuhmann-Hommel einen Beitritt des ÖBM nicht ausschließen, vorerst setzt sie allerdings auf Abwarten: "Das Netzwerk braucht noch Zeit, sich zu etablieren." Für den Moment lebe man - wie sie sagt - in "friedlicher Koexistenz". Spätestens im Herbst wird sich zeigen, wie friedlich das Nebeneinander funktioniert: Um Details der künftig einheitlichen Mediatorenausbildung festzulegen und Listen der Mediatoren sowie der Lehrgänge zu erstellten, tritt nämlich der im Mediations-Gesetz vorgesehene Beirat zusammen. Und dort treffen die koexistierenden Gruppierungen erneut aufeinander.