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Die Welt erlebt im Moment Tsunamis auf mehreren Ebenen. Der politische Tsunami in der arabischen Welt wird in Libyen zum Alptraum. Der echte in Japan hinterlässt uns genauso fassungslos. Und der versteckte Tsunami spielt sich derzeit auf den Finanzmärkten rund um den Euro und die Rohstoffpreise ab. In allen Fällen starben und sterben Menschen, beim Finanz-Tsunami sorgen wildgewordene Agrarpreise immerhin dafür, dass in Afrika Menschen verhungern.
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Die Tsunami-Beispiele zeigen, dass nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch in der Lage ist, Wirtschaftsstrukturen so zu zerstören, dass andere Menschen zu Schaden kommen. Dies ist keine neue Erkenntnis. Aber da die moderne Kommunikation die Welt in die Lage versetzt, ohne Zeitverzögerung alles sofort zu lesen, zu sehen und zu hören, ergibt sich eine vollständig neue Situation: Die Welt könnte viel unmittelbarer auf Bedrohungen reagieren.
Tut sie aber nicht. Dem libyschen Diktator wird seit Tagen zugeschaut, wie er sein Volk abschlachtet. Die Finanzmärkte agieren weiterhin ungerührt und bombardieren mit Geld Länder und Grundnahrungsmittel sturmreif. Und wann die internationale Hilfe für die Erdbeben-Katastrophe in Japan anläuft, wird sich weisen. Das Beispiel Haiti, das 2010 ebenfalls von einem furchtbaren Erdbeben zerstört wurde, zeigt, dass es lange dauern kann. Japan kann sich halt im Gegensatz zu Haiti selbst helfen, das ist der einzige Unterschied.
Die Welt schaut via Facebook und Twitter ihren Katastrophen zu. Die Politik und die internationalen Institutionen dagegen agieren so, als ob wir noch immer in der Ära der Postkutschen leben würden. Zeit ist ein entscheidender Faktor geworden. Die organisierte Politik und die internationalen Institutionen halten hier nicht Schritt. Daher sterben Menschen; daher steigt reihum das Gefühl der Hilflosigkeit.
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, sagte Gorbatschow Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Derzeit kommen viele zu spät, und das diskreditiert jene Institutionen, auf denen Demokratien eigentlich aufgebaut sind. Aber das wäre schon der nächste Tsunami ...

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