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Trübe Aussichten für Akademiker

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Die Anzahl der Arbeitslosen in Österreich steigt stetig, und auch ein höherer Bildungsabschluss schützt nicht mehr vor Arbeitslosigkeit. Während sich im September die Zahl der Arbeitslosen im Jahresabstand um 4,4% erhöht hat, gab es bei den Universitäts-, Fachhochschul- und Akademieabsolventen einen Anstieg um 16,9%. Nach Ausbildungsstand war das der größte Zuwachs. Ein Ausweichen auf den deutschen Arbeitsmarkt ist kaum möglich, denn dort ist der Trend derselbe.


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Ein beim Arbeitsmarktservice (AMS) registrierter Akademiker ist im Durchschnitt 38 Jahre alt und braucht ungefähr ein Jahr, bis er wieder einen Job findet. Anspruch auf (erstmaliges) Arbeitslosengeld hat er nur, wenn er vorher schon mindestens 52 Wochen angestellt(!) gearbeitet hat, erklärt Beate Sprenger vom AMS im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Wer also direkt von der Uni kommt und bisher nur als "Freier" gejobbt hat, hat keinen Anspruch, denn der "Freie Dienstvertrag" inkludiert keine Arbeitslosenversicherung. Über die Zahl der arbeitslosen Akademiker, die aus diesem oder anderen Gründen nicht beim AMS erfasst sind, liegen keine Schätzungen vor, so Sprenger. Das Durchschnittsalter von 38 Jahren weist jedenfalls darauf hin, dass es sich bei den "Registrierten" oft nicht um direkte Uni-Abgänger handelt, sondern um Leute, die schon gearbeitet haben.

Die Zeiten, wo ein Uni-Abschluss quasi eine Jobgarantie darstellte, sind vorbei. "Früher sind viele Akademiker ins Ausland gegangen oder haben im öffentlichen Sektor gearbeitet - das fällt jetzt weitgehend weg", erläutert Helmut Hofer, Arbeitsmarktexperte vom Institut für Höhere Studien (IHS).

Schwieriger Einstieg für junge Absolventen

Im September 2003 waren in Österreich 208.502 Personen arbeitslos gemeldet, unter ihnen 8.897 Uni-, Fachhochschul- und Akademieabsolventen (z. B. Pädak), berichtete das AMS. "Es geht also um sehr kleine Größen", betont Hofer. Außerdem sei zu berücksichtigen, dass zwar die Zahl der vorgemerkten Akademiker gestiegen ist, nicht aber die Quote, da sich ja auch die Gesamtzahl der Akademiker bzw. Fachhochschulabsolventen erhöht hat. Bei der aktuell schlechten wirtschaftlichen Lage kommen die Jung-Absolventen nun auf einen Arbeitsmarkt, auf dem es sehr schwierig ist einzusteigen. Der österreichische Arbeitsmarkt ist klein und zum Großteil von Klein- und Mittelbetrieben (KMU) getragen. Dennoch wäre es "nötig, dass die österreichische Wirtschaft mehr Akademiker einsetzt", so Hofer - schließlich würden auch die beruflichen Anforderungen immer mehr steigen.

Im internationalen Vergleich gibt es in Österreich relativ wenige Akademiker. Laut OECD-Erhebung absolvierten im Jahr 2001 in Österreich rund 16,6% der Personen im typischen Abschlussalter ein Universitätsstudium - im OECD-Schnitt waren es hingegen 30%. "Die internationalen Vergleiche hinken", erläutert Hofer dazu, denn bei uns fehle praktisch noch der Abschluss als Bachelor, der in anderen Ländern üblich ist und auch zu den Akademikern gezählt wird.

"Die Hauptlast tragen die gering qualifizierten Leute", weist Gernot Mitter, Arbeitsmarktexperte der Arbeiterkammer (AK), auf die große Anzahl der registrierten Arbeitslosen mit Pflichtschule (83.104) und Lehre (68.864 Personen) als höchste abschlossene Ausbildung hin. Auch er führt den Anstieg bei den Akademikern auf die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage zurück: "Bei einem Wirtschaftsabschwung werden zuerst die Un- oder Angelernten freigesetzt. Wenn die Flaute länger dauert, dann erwischt es auch die höher Qualifizierten." Er kritisiert, dass es insbesondere im Bereich Forschung & Entwicklung (F&E) mehr Arbeitslose gibt als im Vorjahr (+23%). Dies stehe im Widerspruch zu der von der Regierung angekündigten verstärkten Förderung von Forschung & Entwicklung.

Akademiker im "WZ"-Gespräch

Clemens, 29 Jahre: "Ich bin gerade mit dem Studium fertig geworden - Handelswissenschaften - und bin auf Jobsuche. Aber ich scheine nirgends als arbeitslos auf, weil ich mich selbständig gemacht habe. Jetzt verwalte ich das Vermögen von ein paar Freunden, suche aber einen Job im Bereich Investmentbanking oder Wertpapiermanagement - da habe ich schon während des Studiums ein paar Praktika gemacht. Leider gibt es sehr wenige Job-Angebote, aber wahnsinnig viel Konkurrenz - auch von Leuten mit jahrelanger Erfahrung".

Karin, 28 Jahre: "Ich habe die Universität für Angewandte Kunst und eine Ausbildung im Bereich Kommunikation abgeschlossen und bin derzeit selbständig. Doch eigentlich suche ich schon seit einigen Monaten einen Job im Bereich Kommunikation, Werbung oder Journalismus. Die Arbeitssuche scheitert generell daran, dass wegen der schlechten Wirtschaftslage einfach keine Jobs zur Verfügung stehen. Die Agenturen nehmen keine Leute auf."

* Die Namen wurden von der Redaktion geändert