)
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 24 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Eben bin ich von einem Italien-Urlaub zurückgekehrt. Neben der Toskana stand auch die Emilia-Romagna auf dem Besuchsprogramm. Wenn man sich schon dort herumtreibt, dürfen auch die leiblichen Genüsse nicht zu kurz kommen, gilt die Po-Ebene doch als der Bauch Italiens und trägt Bologna neben den Attributen "rossa" (rot) und "dotta" (gelehrt) auch die Bezeichnung "la grossa" (die Fette). Ich habe mit meiner inzwischen auf vier Köpfe angewachsenen Familie auch ausgiebig die Osterias und Tavernas aufgesucht. Etwas, das mir bisher nicht sonderlich aufgefallen ist, sprang mir diesmal sehr ins Auge - besser noch: ins Ohr, und das, weil meine größere Tochter, die zweijährige Dorothea, wie gebannt meist in eine Ecke nach oben starrte und dabei auf das Essen vergaß: In den meisten dieser Ristorantes läuft unablässig ein TV-Gerät: Sportübertragungen, Shows, Nachrichten flimmern über den Bildschirm, und der Ton ist so laut aufgedreht, dass man während der Mahlzeit durchaus etwas mitbekommen kann.
Das ist zwar ärgerlich, weckte aber auch nostalgische Gefühle: Als ich noch zur Schule ging, gab es den ersten Fernsehapparat nur im Gasthaus des Ortes. Und immer, wenn ein Skirennen (mit Sailer und Molterer) übertragen wurde oder ein Fußball-Länderspiel (gegen den "Erbfeind" Ungarn mit Puskas beispielsweise) auf dem Programm stand, fand sich die Jugend des Dorfes in der Gaststube ein. Der Wirt erschien, drehte an den Knöpfen, und nach einigem Flimmern fand er meist die richtige Einstellung. Freilich aßen wir nichts und konsumierten höchstens eine Limonade. Die Preise hielten sich so vergleichsweise in Grenzen.
)
)
)
)