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Uneins im Kampf gegen den Hunger

Von Georg Friesenbichler

Politik

Streit um Biosprit und Gentechnik. | Afrikaner und NGOs unzufrieden. | Rom/Wien. An das Ende ihres dreitägigen Gipfels in Rom hatte die UNO-Ernährungsorganisation FAO einen "Globalen Aktionsplan" gesetzt. Der Beschluss zum Kampf gegen die hohen Lebensmittelpreise war allerdings bis Donnerstagabend umstritten.


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Schon der Entwurf für das Schlussdokument blieb in vielen Bereichen vage. Die "aktuelle Krise" müsse "mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" gelindert werden, hieß es nur allgemein, ohne die Mittel näher zu definieren. Zu unterschiedlich waren die ökonomischen Interessen der 183 teilnehmenden Länder.

Vor allem in Sachen Biosprit prallten die Meinungen aufeinander. Brasiliens Staatspräsident Luiz Inacio "Lula" da Silva wehrte sich dagegen, dass die hochsubventionierte Produktion von Biotreibstoff, die in seinem Land vorangetrieben wird, für die Preiskrise verantwortlich gemacht wird. Er prangerte den Protektionismus der Industriestaaten und die hohen Erdölpreise an. Auch der Vertreter der USA, wo 80 Prozent der Maisernte zu Bioethanol verarbeitet werden, wollte die Schuldzuweisung nicht gelten lassen.

Die Vereinigten Staaten kamen zusätzlich unter Beschuss, weil sie gentechnisch veränderte Pflanzen und Saatgut als Ausweg aus der Lebensmittelkrise propagieren wollten. Bekanntlich wehren sich aber einige europäische Staaten, darunter Österreich, gegen Gen-Lebensmittel. US-Vertreter haben deswegen angekündigt, die Europäer zu umgehen und direkt mit Entwicklungsländern zu verhandeln.

Zum Biosprit hieß es in dem Entwurf, es sei nötig, sich mit den "Herausforderungen und Möglichkeiten" von Biokraftstoffen zu befassen. Dazu müssten Studien durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass Produktion und Verwendung der Biokraftstoffe nachhaltig seien. Auch Experten sind sich uneinig, welcher Anteil dem Biosprit an den hohen Nahrungsmittelpreisen zukommt - die Angaben schwanken zwischen 3 und 30 Prozent.

Agrarproduktionjahrelang vernachlässigt

Es ist eine Vielzahl von Ursachen, die dazu geführt hat, dass die Lebensmittelpreise laut Weltbank in den vergangenen drei Jahren um 83 Prozent gestiegen sind. Darunter sind die steigende Nachfrage durch die wachsende Weltbevölkerung sowie Flut- und Dürrekatastrophen. In Rom wurde vor allem ein Punkt in den Mittelpunkt gestellt: Die nachhaltige Förderung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern. Diese sei in den letzten Jahren aus dem Blickfeld geraten. "Ich würde sagen, es waren drei Jahrzehnte der Vernachlässigung", räumte auch FAO-Vizegeneraldirektor Jim Butler ein.

Die landwirtschaftliche Produktivität ist in den letzten Jahren zwar insgesamt auf neue Rekordhöhen gestiegen, aber zu gering, um die wachsende Nachfrage decken zu können. In den ärmsten Ländern ist sie hingegen sogar gesunken. In vielen Entwicklungsländern produzieren die Bauern pro Hektar nur ein Zehntel des Ertrags ihrer europäischen Kollegen. Sie würden besseres Saatgut, Dünger und Bewässerungssysteme benötigen, argumentiert die FAO.

Vor allem die reichen Länder sollen den armen mit Hilfsmitteln unter die Arme greifen. Vor 25 Jahren gingen noch 17 Prozent der Entwicklungshilfe der OECD-Staaten in Projekte zur Förderung der Landwirtschaft. Inzwischen sind es laut FAO-Chef Jacques Diouf nur noch 3,5 Prozent.

EU-Entwicklungskommissar Louis Michel warnte davor, sich zu sehr auf kurzfristige Maßnahmen zu konzentrieren. "Nothilfe hat ihre Grenzen und muss auf kurze Zeiträume begrenzt werden." Auf Dauer sei es wichtiger, die "strukturellen Ursachen" der Knappheit zu überwinden, etwa die Landnutzungsrechte, die Infrastruktur und die Handelsbedingungen.

Afrikanische Staatschefs zeigten sich mit den Ergebnissen des Gipfels unzufrieden. Die brennenden Fragen seien nicht beantwortet worden. Auch Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) glauben, dass die FAO-Pläne (siehe unten) nur kurzfristig helfen würden. Es würde auf die Verbilligung von Saatgut und Dünger gesetzt, was die Kleinbauern in weitere Abhängigkeit bringe. Langfristige Maßnahmen wie die Weiterbildung der Bauern, Gesundheit und Infrastruktur seien nur Nebenaspekte, ein verbindlicher Zeitplan fehle, meint etwa die deutsche Welthungerhilfe. Die Konzentration auf die Nothilfe kritisiert auch Timothy Dalton, Experte von der London School of Economics. Er fordert höhere Investitionen für die Entwicklung einer produktiven Landwirtschaft unter schwierigen klimatischen Bedingungen.

Duncan Green von der britischen Hilfsorganisation Oxfam bezweifelt, dass daran unter marktwirtschaftlichen Bedingungen Interesse besteht: "Die Privatwirtschaft geht nur dorthin, wo ordentliche Gewinne gemacht werden." Bauern im Nirgendwo gingen dabei leer aus, meint Green.