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Was sich die EU auf die Fahnen heftet, gefällt nicht jedem Staat: Die lettische Regierung lehnt die Anerkennung einer zweiten Amtssprache ab.
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Auch für seinen Namen gibt es zwei Schreibweisen: Wie etliche Russischstämmige in Lettland könnte Vladimirs Lindermans eine Ableitung aus dem kyrillischen Alphabet machen - und so zu Wladimir Linderman werden. In zwei Sprachen betitelt er denn auch die von ihm initiierte Volksabstimmung "zur Muttersprache", die an diesem Samstag in dem baltischen Land stattfindet. Es sei höchste Zeit, das Russische zumindest als Arbeitssprache auf kommunaler Ebene einzuführen, wenn nicht schon als Amtssprache, befindet der Organisator.
Die heftigen Debatten, die das Referendum auslöst, zeigen einmal mehr, wie schwer sich der seit gut 20 Jahren wieder unabhängige Staat mit seiner russischen Minderheit tut, die immerhin mehr als ein Drittel der Bevölkerung stellt.
Als die Sowjetpässe ungültig geworden waren, ist ein Teil der Russen zu "Nicht-Bürgern" geworden, da sie nicht die lettische Staatsbürgerschaftsprüfung inklusive Sprachtest machten. Die sozialdemokratisch orientierte Partei Harmoniezentrum wurde trotz ihres Wahlsieges im Vorjahr von der Regierung ferngehalten - so wie alle anderen russisch dominierten Gruppierungen der vergangenen zwei Jahrzehnte. Russisch als zweite Landessprache hat das Abgeordnetenhaus in Riga abgelehnt: So alltäglich die Sprache auf den Straßen auch ist - im Parlament und in den Behörden wollen sie viele Letten nicht mehr hören.
Nun soll das Volk darüber abstimmen. Etwas mehr als 770.000 Menschen, die Hälfte der Wahlberechtigten, müssten Lindermans Initiative mit einem Ja unterstützen, was allerdings kaum erwartet wird. Die meisten Spitzenpolitiker sind sowieso dagegen. Kurz vor dem Referendum meldete sich etwa Premier Valdis Dombrovskis zu Wort - in einem Radiosender, der sich speziell an die Russischstämmigen wendet. Das Lettische sei ein Fundament des Staates, und dazu gebe es keine Alternative, erklärte der Ministerpräsident.
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Sprachenvielfalt hat sich die Europäische Union auf die Fahnen geheftet, als sie noch gar nicht diesen Namen trug. Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, dass die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die damals sechs Länder bildeten, vier Amtssprachen festlegte: Deutsch, Französisch, Italienisch und Niederländisch. Mittlerweile sind es 23, aber schon bald könnten es 24 sein. Oder gar 25? Wenn Russisch offizielle Amtssprache des EU-Mitglieds Lettland wird, könnte der Staat eine Anerkennung beantragen. Die anderen Länder müssten dem zustimmen.
Bei der Beurteilung dessen hält sich die EU-Kommission zurück, auch wenn sie in der Vergangenheit Riga zur Wahrung von Minderheitenrechten gemahnt hat.
So gut wie fix ist bereits, dass Kroatisch wohl im kommenden Jahr zu einer weiteren Amtssprache der EU wird. Sind Serbisch, Bosnisch, Mazedonisch, Albanisch die nächsten? Könnte Zagreb beispielsweise die Anerkennung des Serbischen blockieren? All die Fragen tauchten im Vorfeld des Referendums in Lettland auf. Die Antworten darauf hatte die Kommission in Brüssel aber nicht parat.

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