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Ungut wie nie

Von Christoph Rella

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Zweifellos wird der Juli 2015 in die Annalen der österreichischen Sportgeschichte eingehen. Wohl kaum wurden von heimischen Athleten in so kurzer Zeit so viele Weltranglistenrekorde gesprengt wie in den vergangenen zwei Wochen. Agenturen, Blogger, Kommentatoren und Twitteria kamen da mit dem Applausgeben gar nicht mehr nach - gefühlt zumindest. "Thiem so gut wie nie", titelte die Online-Ausgabe einer Zeitung erst am Montag und meinte damit den Aufstieg von Österreichs Tennisprofi Dominic Thiem auf den 28. Platz in der Weltrangliste. Am gleichen Tag unter dem Titel "Allzeit-Hoch" bejubelt wurde auch der 55. Rang des Schachspielers Markus Ragger. Und auch als der Golfer Bernd Wiesberger Anfang des Monats von Platz 39 auf 23 hüpfte, war man umgehend mit Begriffen wie "historisch" zur Hand. Nicht zu vergessen freilich den Sprung des österreichischen Fußball-Nationalteams unter die besten 15 Mannschaften der Welt. Diese Tatsache war der Austria Presseagentur sogar eine "Eilt"-Meldung wert. Dementsprechend fielen da auch die Schlagzeilen aus: "Noch nie so gut!"

So lobenswert und positiv diese Ergebnisse für ein Land, das außer im Skifahren sportlich selten etwas reißt, auch sind, so gibt einem der Hype, der rund um solche Placierungen gemacht wird, zu denken - und den Blick auf ein typisch österreichisches Verhalten preis. Nämlich die Tendenz, Leistungen der Nation, auch wenn sie im internationalen Vergleich nur durchschnittlich sein mögen, zu überhöhen, so als hätte man jetzt die Welt erobert. Thiem, Ragger, ÖFB-Elf und Wiesberger sind zweifellos top, aber es gibt immer noch bessere. Das sollte man nicht vergessen.