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Verdrängte Opfer der USA

Von Christa Karas

Wissen

Fast 30 Jahre nach dessen Ende leiden zumindest drei Millionen Vietnamesen immer noch unter den Folgen des Krieges. Neben Napalm und Phosphor hatten die USA allein zwischen 1962 und 1971 mehr als 20 Mill. Gallonen "Entlaubungsmittel" eingesetzt, Herbizide wie vor allem Agent Orange, die nach offizieller Lesart die Kriegsführung gegen den Vietcong im Dschungel erleichtern sollten, tatsächlich aber in erster Linie über Reisfeldern und landwirtschaftlichen Nutzflächen versprüht wurden, um diese zu vernichten (Programm des Nahrungskrieges). Eine bis heute unbekannte Zahl an Menschen und Tieren starb in der Folge an Herbizidvergiftungen. Zahlreiche Überlebende erlitten u. a. Schäden am Erbgut, ihre Kinder wurden mit schwersten Behinderungen geboren.


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Gifte, zumal wenn sie aus der Luft kommen, kennen weder Grenzen, noch Freund oder Feind. Im Jahr 1962 flogen die USA 107 Lufteinsätze, bei denen Reisfelder im Mekongdelta mit Herbiziden besprüht wurden. 1966 wurden 1,3 Mill. Gallonen - das sind fünf Mill. Liter - über einem Gebiet von 200.000 ha Land verregnet. Allein in den Jahren 1963, 1964 und 1965 wurden derart mehr als 1,5 Mill. ha Land zerstört, und die Einsätze dauerten bis zum Kriegsende 1975 fort.

Der Einsatz dieser überwiegend organisch-chemischen Waffen hatte verheerende Folgen, zum einen, weil eine der Komponenten von Agent Orange (das so nach der Farbe seiner Behälter benannt wurde) Dioxin war, das bekannt dafür ist, Krebs aller Arten, Gendefekte und organische Missbildungen zu verursachen. Aber auch, weil die enorme Menge der Giftstoffe über die fließenden Gewässer und den Wind weiter verbreitet wurde, sich also weit über den Einsatzbereich hinaus schädlich auswirkte. Kontaminiert wurden weiters zahlreiche Personen wie etwa US-Soldaten, die damit in Berührung waren.

Le Huu Dong, Vater von drei Töchtern, die schwerst behindert (mit kaum ausgebildeten Gliedmaßen, kleinwüchsig und mit zwölf Fingern) zur Welt kamen, und seine Familie zählen etwa zu diesen Opfern. Als südvietnamesischer Soldat war er mit seiner Frau von 1966 bis 1967 in der Nähe eines US-Luftwaffenstützpunktes an der Grenze zwischen Vietnam und Laos stationiert und damit immer wieder Agent Orange ausgesetzt gewesen.

Ein weiteres Opfer ist Than Thi Phi Phi, die vor wenigen Tagen gemeinsam mit zwei weiteren Betroffenen im Namen der Vietnam Association of Agent Orange Victims vor einem Gericht in New York erstmals Klage gegen die mehr als 20 Hersteller des Giftes eingebracht hat, allen voran stehen dessen seinerzeitige Großproduzenten Dow Chemical Co und Monsanto Co.

Die beiden Multikonzerne hatten 1984 zugestimmt, insgesamt 180 Mill. Dollar Entschädigung an jene US-Veteranen zu bezahlen, die ebenfalls an Krankheitsfolgen durch die Kontaminierung mit dem Herbizid im Vietnam-Krieg litten. An eine ähnliche Regelung für die vietnamesischen Opfer war jedoch nie gedacht worden. Anlässlich des historischen Besuchs des vietnamesischen Verteidigungsministers Pham Van Tra im vergangenen Jahr in Washington wurde das Thema zwar berührt. Die USA boten allerdings lediglich ihre Mithilfe bei der wissenschaftlichen Untersuchung über die Spätfolgen und die vielen verschiedenen Arten von Behinderung infolge der Gifteinsätze an, lehnten aber jegliches Gespräch über etwaige Kompensationszahlungen strikt ab.

Die ärmsten der Armen

Than Thi Phi Phi, die Sprecherin der vor einem Monat gebildeten Vereinigung, erklärte nun, warum sie Klage eingebracht hat: "Ich will nichts für mich, das kommt zu spät. Aber ich will diese Hilfe für die Opfer, die in Vietnam zu den ärmsten, den elendsten und am meisten diskrimierten Menschen gehören. Ich werde für sie tun, was immer ich kann."

Ihre Mitkläger sind eine schwerkranke Frau, deren Kind durch das Pestizid gestorben ist sowie ein Vater zweier behinderter Kinder, der Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium hat. Eine Klagssumme wurde nicht festgesetzt. Die offziellen Stellen richten sich darauf ein, dass die Causa ein langwieriges Verfahren nach sich ziehen wird. Also könne man derartige Entscheidungen nicht über Nacht herbeiführen.