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Volksbanken "finanzielle Nahversorger"

Von Petra Medek

Wirtschaft

Die Volksbanken wollen als "finanzielle Nahversorger" agieren und ihr Filialnetz weiter ausbauen; in naher Zukunft in erster Linie, dort, wo Postämter geschlossen werden sollen. Das kündigte Hans Hofinger, Chef des Volksbanken-Dachverbandes ÖGV, am Freitag in der Jahrespressekonferenz an.


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2004 wurden in Österreich sechs neue Filialen eröffnet, ebenso viele könnten es heuer sowie im nächsten Jahr sein, sagte Hofinger. Immer wieder seien in der letzten Zeit "Bürgermeister und andere Proponenten" an die Volksbanken herangetreten, in deren Gemeinden eine Bankstelle geschlossen werden soll. Für die Öffnung einer Filiale würden diese auch Kapital zur Verfügung stellen.

Gemeinden, Firmenkunden oder Private, denen an der finanziellen oder auch postdienstlichen Nahversorgung in ihrem Ort gelegen ist, sollten sich nach Meinung der Volksbanken an "ihrer" Bankfiliale beteiligen können, und zwar nur an der jeweiligen Filiale, nicht an der gesamten Bank.

Möglich wäre dies in Form einer Beteiligung an einer so genannten "Stillen Gesellschaft", für die das Finanzministerium aber erst wieder Grünes Licht geben müsste. Bis Mitte der 80er Jahre hatte es diese Möglichkeit auch in Österreich schon einmal gegeben. Sparkassen und Raiffeisen stünden dem Modell für ihre Sektoren schon historisch positiv gegenüber. Aber auch die BAWAG P.S.K., die von den Postamtsschließungen auch unmittelbar selber betroffen ist, könnte sich laut Hofinger eine solche Lösung vorstellen.

Der Volksbanken-Sektor, bestehend aus ÖVAG (AG-Abschluss Österreich), Factoring Bank und 66 regionalen Volksbanken der Primärstufe, hat am Freitag erfreuliche Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert. Die Kredite wuchsen um 10,6% im Sektor, die Primäreinlagen sogar um 12,7%. Beim Betriebsergebnis gab es einen leichten Rückgang um 2,6% auf 289,5 Mio. Euro. Der Grund: Ein Einmaleffekt der Abfertigungsrückstellung, die nicht auf fünf Jahre verteilt, sondern auf einen Schlag eingebucht wurde und damit auch den Personalaufwand überproportional erhöhte, wie Hofinger erklärte. Dennoch blieb der Volksbankensektor 2004 mit einem Betriebsgewinn von 0,86% (nach 0,92% im Jahr davor) gemessen an der Bilanzsumme nach eigenen Angaben führend in der heimischen Bankenlandschaft.

Investkredit-Kauf ist ein "Quantensprung"

Sollte die ÖVAG zur Finanzierung der Übernahme der börsenotierten Investkredit junge Aktien begeben wollen, würden die lokalen Volksbanken dabei neue Aktien ihres Spitzeninstituts zeichnen. Über ihre Holding halten die heimischen Volksbanken mit rund 57% die ÖVAG-Mehrheit.

Die Volksbankengruppe wolle sowohl organisch wachsen als auch durch Akquisitionen, so Hofinger. Er nennt den Kauf der Investkredit durch die ÖVAG einen "Quantensprung für unseren Sektor".