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Wackelt der Dollar als Leitwährung?

Von Hermann Sileitsch

Analysen

Verliert der Dollar seinen Status als globale Leitwährung? Die Chefs der chinesischen Zentralbank ließen jedenfalls mit einem - sorgfältig ausgewogenen - Vorstoß aufhorchen. Der beruhigende Part war Vize-Gouverneurin Hu Xiaolian zugedacht. Sie versicherte, China werde auch künftig US-Staatsanleihen kaufen. Davon ist abhängig, ob die USA ihre enormen Ausgaben für die Konjunkturbelebung und Bankenrettung weiterhin finanzieren können: China ist der größte Abnehmer von US-Staatsanleihen.


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Zugleich stellte Zentralbank-Gouverneur Zhou Xiao chuan den Amerikanern die Rute ins Fenster: Er schlug vor, eine neue Weltwährung anstelle des Dollars zu etablieren - ähnliches hatte auch Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin bereits angeregt.

Zhou schlug vor, den Dollar durch einen Währungskorb zu ersetzen, der als Verrechnungseinheit beim Internationalen Währungsfonds (IWF) geführt werden sollte. Ein solches, nicht sehr bedeutendes Instrument gibt es: Die sogenannten Sonderziehungsrechte dienen als Kreditlinie und werden anhand von Euro, Yen, Dollar und Pfund errechnet. Nach Chinas Vorstellung könnte dieser Korb um den russischen Rubel und chinesischen Yuan ergänzt werden - und sollte nicht nur in Geschäften mit dem IWF, sondern als generelles Zahlungsmittel im Welthandel dienen. Letztlich könnte das auf ein System fester Währungskurse hinauslaufen.

So rasch wird sich an der Vorrangstellung des Dollars allerdings nichts ändern. Chinas Vorstoß hat jedoch Signalwirkung: Anlass ist die Sorge, dass sich die USA auf dem Wege einer Dollar-Entwertung eines Teiles ihrer Schuld entledigen - und damit die chinesischen Ersparnisse entwerten. Chinas Dollar-Reserven werden auf 2000 Milliarden geschätzt; mehr als 700 Milliarden entfallen auf US-Staatsanleihen.

Die Asiaten haben produziert und exportiert, was die Amerikaner nicht minder eifrig konsumiert haben. Beide sind eng mit einander verbunden - die Schulden der USA und Chinas Reserven sind letztlich zwei Seiten ein- und derselben Medaille: Denn wenn China den Plan hegen sollte, die US-Staatsanleihen in großem Stil auf den Markt zu werfen, so würde das den Dollar schwächen - und somit Chinas eigene Anlagen entwerten.

Für die USA ist der Status des Dollars als Weltwährung eine Lebensversicherung. Solange die Amerikaner keine Auslandsverschuldung in Fremd währung haben, können sie diese durch ein theoretisch unbegrenztes Anwerfen der Dollar-Druckmaschinen begleichen. Die Zeche müssten zum Großteil die anderen begleichen.

Kein Wunder also, wenn US-Präsident Barack Obama die Vorschläge für eine neue Leitwährung ablehnte. Seine Begründung sollte man eher skeptisch sehen: Er beteuerte, der Dollar sei "außerordentlich stark".