)
Punkerinnen gemeinsam mit anderen Putin-Kritikern vorübergehend verhaftet.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 12 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Sotschi. Erst acht Wochen ist es her, dass die beiden Pussy-Riot-Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina nach zwei Jahren Arbeitslager von Wladimir Putin begnadigt worden sind. In Sotschi klickten nun erneut die Handschellen. Gemeinsam mit bis zu 15 weiteren Personen wurden die beiden kremlkritischen Punkerinnen mit den bunten Strickmasken als Markenzeichen am Dienstag vorübergehend festgenommen. Dabei hätten sie in der Olympiastadt nicht einmal eine Protestaktion veranstaltet, twitterte Tolokonnikowa, nachdem sie und ihre Kollegin in Polizeigewahrsam genommen worden waren. "Wir sind einfach durch die Stadt spaziert."
Beschuldigt werden die Frauen des Raubes. Was genau sie in dem Hotel, in dem sie und die übrigen Festgenommenen sich eingemietet hatten, entwendet haben sollen, sei ihnen nicht mitgeteilt worden, berichtete Tolokonnikowa. Und: "Natürlich gab es keinen Dienstahl." Die 24-Jährige kündigte eine Klage gegen die Verantwortlichen an.
Mit denselben Vorwürfen wurden auch die übrigen Verhafteten konfrontiert, unter ihnen der Fotoreporter Jewgeni Feldman sowie die Menschenrechtsaktivisten Semjon Simonow und David Chakim - Letzterer wurde erst am Montag zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil er in einer Ein-Mann-Protestaktion die Freilassung des kürzlich zu drei Jahren Straflager verurteilten Umweltschützers Jewgeni Witischko gefordert hatte. Witischko hatte die massive Umweltzerstörung in und um Sotschi angeprangert und sich daher offen gegen die Olympischen Spiele in der Kaukasus-Region ausgesprochen.
Eine spektakuläre Anti-Putin-Performance in Sotschi hatte auch Pussy Riot geplant. Für die Aktivistinnen ist das der eigentliche Grund für ihre vorübergehende Festnahme. Die Frauen berichteten, dass sie seit ihrer Ankunft in der Olympiastadt am Sonntag von Sicherheitsleuten permanent observiert worden sind. Bereits am Montag mussten sie sich deshalb in Polizeigewahrsam 17 Stunden lang bohrende Fragen gefallen lassen. Einschüchtern ließen sie sich trotzdem nicht, wurde Aljochina in russischen Medien zitiert. Wann und wo die Musikerinnen ihren neuen Song "Putin lehrt Euch die Liebe zu Eurem Vaterland" nun zum Besten geben wollen, verrieten sie am Dienstag nicht. Nur so viel: In dem Lied gehe es um politische Verfolgung von Kritikern in Putins Russland, Korruption rund um die Olympischen Winterspiele, die Verurteilung des Umweltaktivisten Witischko und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit im Land.
Für ihre schrillen Protestauftritte haben Russlands neue Anti-Kreml-Ikonen einen hohen Preis bezahlt. "Mutter Gottes, befreie uns von Putin", hatten sie vor dem Altar der Moskauer Erlöserkathedrale gesungen - und wurden dafür wegen Rowdytums für zwei Jahre hinter Gitter gesperrt. Kampfmüde sind sie dennoch nicht. Ihre - späte - Begnadigung (sie kamen zwei Monate vor Ablauf der Haftstrafe Ende Dezember frei) bezeichneten sie als billigen PR-Gag Putins vor Olympia. Kurz darauf starteten sie das Projekt Zona Prava, das sich für bessere Haftbedingungen in russischen Gefängnissen einsetzt.
)
)
)