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Urlaubsflair trotz Betonwüste: Kaum ein Platz in Wien bietet sowohl das eine wie das andere. Die Mitte der 1990er Jahre errichtete Wiener Wasserwelt im 15. Bezirk erhält nun eine Frischekur.
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Wien. Obwohl es kein Märchen ist, bleibt es doch ein Mythos. Und wer die Wasserwelt kennt, findet die Idee absurd. Der 10.000 Quadratmeter große Platz, der sich vom Meiselmarkt bis zum Pflegewohnheim am ehemaligen Areal des Kaiserin-Elisabeth-Spitals erstreckt, hätte als Warm-up für Schönbrunn-Besucher dienen sollen. Erste Station: Die Wasserwelt mit ihren sieben Brunnen sowie dem vom österreichischen Bildhauer Hans Muhr gestalteten Lebensbaum, der als überdimensionale Photovoltaikanlage in Gelb-, Orange- und Rottönen am Eingang der Wasserwelt thront. Zweite Station: das zwei Kilometer entfernte Schloss Schönbrunn. Daraus wurde aber nichts.
Mit dem Anblick des Lebensbaumes haben sich die meisten Grätzelbewohner arrangiert. Er ist seit mehr als 20 Jahren das inoffizielle Wahrzeichen des Platzes und bleibt es auch nach der Revitalisierung. Auch, wenn es für den einen oder anderen enttäuschend ist. "Irgendjemand hat die Kunst im öffentlichen Raum mit dem Schneefall in Wien verglichen. Am ersten Tag ist es wunderschön, am zweiten Tag nur mehr grauer Schneematsch", kommentiert ein Anrainer das Kunstwerk.
Und auch, wenn sich nur selten Touristen in die Gegend verirren, ist der Platz meist stark bevölkert. Die Wasserwelt hat sich als Zentrum des Grätzels etabliert - dort trifft Urlaubsflair auf Betonwüste, Schönes auf Hässliches. Die verdreckten und teilweise seit Jahren stillgelegten Brunnen werden bald der Vergangenheit angehören. Mitte 2017 soll der gesamte Platz im neuen Glanz erstrahlen.
27 neue Bäume
Das vom Bezirk initiierte Bürgerbeteiligungsverfahren, bei dem 780 Anrainer im Jahr 2013 ihre Wünsche für die neue Wasserwelt deponiert haben, hat ein klares Bild ergeben. Mehr Grün, neue Sitzbereiche und weg mit den desolaten Brunnen. "Die größte Veränderung ist, dass die Brunnen durch neue ersetzt werden. Es wird Wasser- und Brunnenelemente geben, die auch von Kindern genutzt werden können", sagt Markus Mondre von der Gebietsbetreuung Stadterneuerung.
Konkret werden drei Brunnen stillgelegt und vier adaptiert. Beispielsweise wird eines der Becken am Leopold-Mistinger-Platz planiert und im Sommer zu einem Wasserlauf umfunktioniert. Am Kardinal-Rauscher-Platz wiederum ist ein Wasserparcour mit Sprühbrunnen geplant und der bestehende Kleinkinder-Spielplatz wird um Spiel- und Sportgeräte für Jugendliche erweitert.
Der Startschuss für das eine Million Euro teure Revitalisierungsprojekt ist in der Vorwoche bei der Eduard-Sueß-Gasse gefallen. Dort wird von der Alten Schieberkammer bis zur Volksschule Johnstraße eine Fußgängerzone errichtet - inklusive neuer Sitzbereiche und Pflanzenbeete. Insgesamt werden 27 neue Bäume entlang der neuen Wasserwelt gepflanzt - "trotz der schwierigen Situation aufgrund der U-Bahn-Trasse und der Wasserleitung", wie es seitens der Bezirksvorstehung heißt. Weiteres sind Pflanzbeete geplant. "Der Pflasterbelag bleibt jedoch", erklärt Mondre, auch wenn die Visualisierungspläne anders interpretiert werden könnten. "Es ist ein hochurbaner öffentlicher Platz und kein Garten oder Innenhof. Eine Rasenfläche wie in einem Park würde nicht funktionieren", weiß Mondre.
Einer der ärmsten Bezirke
"Der Nutzungsdruck ist enorm. Wir leben hier in einem Bezirk, der, wie wir alle wissen, einer der ärmsten in Wien ist. Die Leute wohnen in kleinen Wohnungen und sind auf den öffentlichen Raum angewiesen", sagt der Gebietsbetreuer, der hofft, dass sich die Grätzelbewohner auch nach der Sanierung mit ihrem Platz identifizieren können.
Und wer nutzt den Platz? "Der untere Teil beim Kirchenvorplatz und beim Kleinkinder-Spielplatz wird vorwiegend von Familien mit Kindern genutzt. Oben beim Leopold-Mistinger-Platz halten sich gewisse Randgruppen auf. Das war aber nur selten ein Problem", so Mondre. Die Revitalisierung der Wasserwelt ist ein weiterer Puzzlestein, der das Grätzel aufwerten soll.
Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal (SPÖ) hat im Juni grünes Licht für ein weiteres Bürgerbeteiligungsverfahren gegeben - bis 2018 soll der Forschneritschpark, der um die Ecke von der Wasserwelt liegt, neu gestaltet werden. Und auf dem ehemaligen Areal des Kaiserin-Elisabeth-Spitals starten die Bauarbeiten für geförderte Mietwohnungen. "Mein persönlicher Wunsch ist es, dass der Platz auch bespielt wird, wenn auch vielleicht die Anrainer nicht so happy damit wären. Aber mehr als eine Veranstaltung pro Jahr würde der Platz vertragen", sagt Mondre, der betont: "In diesem Grätzel tut sich sehr viel. Das sieht man auch an den Dachgeschoßausbauten. Private Wohnbauträger ziehen nach, aber ohne, dass es zu einer schnellen Gentrifizierung kommt."
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