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Weil Stärke allein nicht genügt: Die US-Streitkräfte sind überfordert

Von Georg Friesenbichler

Analysen

Großteils dient die Präsenz der USA in mehr als 120 Ländern der Vorbeugung: Fast 100.000 Soldaten der USA tun in Asien Dienst, die meisten davon in Südkorea und Japan, noch mehr sind es in Europa. Im Kampfeinsatz sind die Amerikaner aber in Afghanistan mit fast 20.000 Mann, und natürlich im Irak, wo die Truppenstärke nach dem Willen von Präsident George W. Bush bald wieder über 150.000 liegen soll.


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Schon nach dem Irak-Feldzug 2003 mehrten sich in den USA die Stimmen, die Streitkräfte könnten die vielen Aufgaben nicht mehr erfüllen. "Overstretched" ist auch heute noch die gängige Beschreibung der schlagkräftigsten Armee der Welt.

Ihr geht seit einiger Zeit der Nachwuchs aus, weshalb die Ansprüche bei der Rekrutierung gesenkt wurden. Prompt mussten daraufhin 8500 angehende Soldaten wegen ihrer kriminellen Vergangenheit wieder entlassen werden.

Dafür müssen Soldaten ihren Dienst im Kampfgebiet unfreiwillig verlängern, die Zeit zur Regeneration ist zu kurz, etliche sind schon zum dritten oder vierten Mal im Einsatz. Noch dazu sind die unerfahrenen Nationalgardisten oder Reservisten, die gleichfalls in den Irak abkommandiert werden, nicht wirklich eine Verstärkung.

Wenn es nach Bush geht, soll mehr Geld Abhilfe schaffen. Im kommenden Haushaltsjahr, das im Oktober beginnt, sollen 481 Milliarden Dollar dem Verteidigungsministerium zugute kommen - mehr, als die in der Statistik folgenden 15 Länder zusammen aufwenden. Noch für das laufende Jahr will Bush die Ausgaben für die beiden Kriege um weitere 100 Milliarden Dollar aufstocken, zusätzlich zu den bereits beantragten 70 Milliarden. Eingespart werden soll im Gesundheitsbereich.

Dabei reicht den Militärs sogar diese Gabe nicht. Air Force und Navy haben sich noch nicht beschwert, aber Army-Oberkommandierender Peter Schoomaker bräuchte laut eigenen Angaben zehn Milliarden mehr als vorgesehen - für den Ersatz und die Instandhaltung von beschädigten Fahrzeugen wie den Humvees und andere Kriegskosten.

Gegen die befürchteten Frühjahrsaktionen der Taliban in Afghanistan und der irakischen Aufständischen werden vorsorglich schon eigene Offensiven angekündigt. Die haben bisher aber wenig gebracht - zumal die einheimischen Streitkräfte in beiden Fällen noch immer zu schwach, zu schlecht ausgebildet und zu sehr von den internen Konflikten geschwächt sind. Dies zeigte sich kürzlich am Beispiel von Najaf im Irak, wo eine schiitische Splittergruppe die irakische Armee derart in Panik versetzte, dass sie die Amerikaner zu Hilfe rufen musste.

Um die Aufgaben der Bush-Doktrin, mit einer Vorwärtsstrategie Demokratie in die Welt zu tragen, zu erfüllen, reicht ein Budgetplus von elf Prozent nicht. Denn die US-Streitkräfte können laut Militärexperten zwar jede andere Armee der Welt schlagen - kein Land der Welt kann aber mit ihren Mitteln befriedet werden. Seite 8