Zum Hauptinhalt springen

Wenn der Vorgesetzte mitliest

Von Petra Medek

Wirtschaft
Surfen am Arbeitsplatz: Eine Betriebsvereinbarung sorgt hier zu Lande für Rechtssicherheit. In Deutschland ist übermäßiges Internet-Surfen ein Kündigungsgrund, wie es vor kurzem in einem Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichtes hieß. BilderBox

Immer öfter nehmen Arbeitgeber die Internetnutzung ihrer Mitarbeiter unter die Lupe. Die Überwachung des E-Mail-Verkehrs ist aus Kosten- und Sicherheitsgründen notwendig, argumentieren Unternehmen. Dies wirkt sich jedoch negativ auf die Mitarbeiter aus, sagt der Arbeitspsychologe John Haas.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 20 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Durch die private Internetnutzung sinkt die Produktivität der Mitarbeiter, außerdem hilft die Überwachung der E-Mails, Firmeneigentum vor Diebstahl zu schützen, begründen Arbeitgeber ihr Interesse am E-Mailverkehr der Mitarbeiter.

Studien in den USA hätten jedoch ergeben, dass eine Überwachung der Mitarbeiter langfristig keine höhere Produktivität, sondern meist sogar das Gegenteil, nämlich eine verminderte Produktivität zur Folge haben. Der Hintergrund: Jegliche Form von subjektiv wahrgenommener oder vermuteter Überwachung stelle einen massiven Stressfaktor für den Arbeitnehmer dar, erklärt Haas. Studienautoren in den USA bezeichneten die steigende Mitarbeiterüberwachung zudem als schlechte Antwort auf hausgemachte Managementprobleme, so der Psychologe.

Dass die Internet-Überwachung auch hier zu Lande durchaus üblich ist, bestätigt eine Studie von Hitachi Data Systems, für die IT-Leiter führender Unternehmen in 16 Ländern befragt wurden. Demnach wird in österreichischen Großunternehmen bereits jedes zweite Mail gelesen. 20% der österreichischen Unternehmen führen derzeit keine Kontrollen durch, behalten sich allerdings diese Möglichkeit für die Zukunft vor. 27% der Betriebe führen weder stichprobenartige Kontrollen durch, noch beabsichtigen sie dies zukünftig.

Systemadimistratoren haben in einem Unternehmen Zugang zu allen Daten, auch zu privaten, weiß Nicholas Hauser, IT-Experte in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), der in einer Broschüre Wissenswertes zu dem Thema Online-Sicherheit zusammengefasst hat.

In letzter Zeit hätten sich immer mehr Arbeitnehmer mit Fragen zur Online-Sicherheit an die GPA gewendet. Es seien aber auch Berichte von Securitiy-Unternehmen gekommen, die - grundsätzlich für die Installation von Firewalls engagiert - von Betrieben gebeten wurden, auch gleich die Mails der Mitarbeiter durchzusehen und einige Nachrichten direkt an den Geschäftsführer weiter zu leiten, erzählt Hauser.

Tipps für Arbeitnehmer

Die Internetnutzung am Arbeitsplatz sollte schon zu Beginn des Arbeitsverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer geregelt werden, rät Hauser. Üblicherweise passiert das in heimischen Unternehmen in Form einer Betriebsvereinbarung.

Als Arbeitnehmer müsse man sich bewusst sein, dass jeder Vorgang auf einem PC eine "Datenspur" nach sich ziehen kann und somit theoretisch rekonstruierbar ist, so Haas. Außerdem sei es ratsam, berufliche und private Informationen immer strikt zu trennen und vertrauliche Informationen zu schützen.

Die GPA-Broschüre "Rächer der enterbten Daten" kann unter http://www.interesse.at/it heruntergeladen werden.