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Noor Tagouri hat Fotos von sich auf Instagram gepostet. Die Zähne wie ein Raubtier fletschend posiert sie in schwarzer Lederjacke und Jeans vor einer US-Flagge. Ihr Blick ist provokant, ihre Haltung betont lässig. An sich nicht überraschend für eine Bilderserie im "Playboy". Wäre da nicht das Kopftuch, das die Journalistin trägt - ein leger gebundener Hidschab.
Es ist das erste Mal, dass der "Playboy" in der US-Oktoberausgabe eine Frau mit Kopftuch zeigt. Ausgezogen hat Tagouri sich für das Magazin nicht, sie wird in einer Serie über mutige Männer und Frauen porträtiert.
An die Provokation, die Bilder eines Playmates mit Kopftuch in sich tragen würden, reichen die Aufnahmen freilich nicht heran - eine nackte, verschleierte Frau würde so einiges ad absurdum führen. Doch die Wogen im Netz gingen dennoch hoch. Die zahlreichen Stimmen, die die Aktion als Durchbruch feierten, gingen unter.
Die Aufregung kommt von zwei Seiten. Einerseits wird Tagouri von Muslimen vorgeworfen, sie habe sich mit einem Medium zusammengetan, das auf der Vergegenständlichung von Frauen basiere. Den Islam in diesem Kontext auch nur zu erwähnen, sei empörend. Empört ist auch die Zielgruppe: Zuerst keine nackten Mädchen mehr, jetzt ein Kopftuch, was kommt als Nächstes? Wird der "Playboy" ein Familienmagazin?
Dass Hugh Hefner Kierkegaard gelesen hat, dessen Erotikbegriff sich im Wechsel von Verhüllen und Entblößen begründet, ist unwahrscheinlich. Dass wir vielmehr - trotz aller Radikalisierungen - auch auf eine neue Angepasstheit, eine neue Prüderie zusteuern, müssen wir wohl zur Kenntnis nehmen.

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