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Kontrollen fallen weg, Übergangsfristen bleiben. | Ängste in Österreich unbegründet. | Woher eigentlich diese Angst? Die Furcht vor den Diebsbanden aus dem Osten, die nach Österreich kommen, Autos aufbrechen, in Häuser eindringen und - wenn sie schon dabei sind - auch noch Arbeitsplätze stehlen? Die Freude darüber, dass es ab heute keine Grenzkontrollen zu den osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten gibt, hält sich in Österreich in engem Rahmen. Lediglich jeder Dritte begrüßt die Erweiterung des Schengen-Raumes.
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Doch ändert sich an der Situation nur wenig. "Importierte Kriminalität", wie es die Behörden nennen, gab es schon in den vergangenen Jahren. Sie ist im übrigen nicht eklatant gestiegen, als die Visumpflicht für Ost- und Südosteuropäer abgeschafft wurde. Die Zahl der Einbrüche und Diebstähle - begangen von Menschen jeglicher Herkunft, also auch österreichischer - ist laut jüngster Kriminalstatistik für die Monate Jänner bis November in den östlichen Bundesländern Wien und Niederösterreich um knapp drei und dreieinhalb Prozent zurückgegangen.
Auch wer in Österreich schwarz arbeiten wollte, tut es bereits. Daran haben schon die Übergangsfristen am Arbeitsmarkt nichts geändert, an denen das Land noch krampfhaft festhält, wodurch es sich Steuern und Sozialabgaben entgehen lässt. Nebenbei bemerkt, ist in fast jedem bürgerlichen Haushalt eine polnische Putzfrau beschäftigt - schwarz. Und gäbe es die slowakischen Pflegerinnen nicht, könnten sich viele Familien die Betreuung ihrer Verwandten nicht leisten.
Dass nun, nach Öffnung der Grenzen, hunderttausende Polen, Slowaken und Tschechen nach Österreich kommen, ist kaum wahrscheinlich. Wer emigrieren wollte, um legal zu arbeiten, hat sich schon einen Job in Großbritannien oder Irland gesucht. Während in Wien überlegt wird, ob in bestimmten Bereichen die Übergangsfristen gelockert werden sollen, um aus dem Ausland benötigte Arbeitskräfte zu holen, sind diese schon längst woanders.
Überhaupt ist die Annahme, dass über die Grenze nur die Bösen kommen, die Videorekorder und Arbeitsplätze stehlen, eine Beleidigung für die meisten Menschen in Osteuropa. Ebenso wie es für die Nachbarn einer Brüskierung gleichkommt, dass Österreich seinen Assistenzeinsatz an den Grenzen aufrechterhält.
Dabei können die Österreicher auch anders. Vor 50 Jahren haben sie nach dem Ungarn-Aufstand fast 200.000 Menschen aufgenommen; im Jahr 1968 hat die österreichische Botschaft in Prag unermüdlich Visa ausgestellt, als die Panzer des Warschauer Paktes den Prager Frühling niederrollten.
Doch mittlerweile überwiegt in Österreich gegenüber Grenzöffnungen Skepsis, die viele Politiker nur halbherzig versuchen, abzubauen. Die Ängste in der Bevölkerung sind teils vorhanden und großteils von Medien großgeschrieben. In beiden Fällen sind sie, was Ängste nun mal oft sind: irrational.
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