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Wer trifft die bessere Wahl?

Von Heiner Boberski

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Der Erfolg von Conchita Wurst beschert Österreich ein Luxusproblem mit etlichen Fragen: Wo soll der zig Millionen Euro teure Eurovision Song Contest 2015 ausgetragen werden? Und wer darf moderieren? Die Siegerin 2014, die sich dafür gleich angeboten hat? Das sofort als Contest-erprobt ins Spiel gebrachte Duo Stermann und Grissemann? Oder jemand aus der Reihe derer, die sich beim Opernball oder bei "Dancing Stars" so unnachahmlich ins ORF-Zeug legen?

Ja, und wie werden überhaupt diese Entscheidungen getroffen? Im kleinen Kreis der Mächtigen und - hoffentlich - Fachkundigen oder via demokratische Abstimmung aller Interessierten?

Wer jetzt die Demokratie herausstreicht, hat vielleicht schon vergessen, dass die Entsendung von Conchita nach Kopenhagen nicht aufgrund einer Auswahl erfolgte, sondern eine einsame Entscheidung der ORF-Verantwortlichen war; eine öffentliche Abstimmung in unserer jetzt als so hochtolerant empfundenen Gesellschaft wäre vielleicht ganz anders ausgegangen. Auf der anderen Seite zeigt die Auswertung der Contest-Voten (in jedem Land eine Mischung von Publikums- und Expertengunst), dass Conchita noch viel deutlicher gewonnen hätte, wenn es nur auf das Publikum angekommen wäre, aber nur ganz knapp, hätten allein die Fachjuroren den Ausschlag gegeben.

Ob also immer das Volk oder der Expertenkreis die bessere Wahl trifft, ist fraglich. Wenn es schiefgeht, leidet jedenfalls bei einer demokratischen Entscheidung niemand unter besonderen Vorwürfen. Und wenn es klappt, freuen sich sowieso alle.