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"Wollten mehr als nur träumen"

Von Thomas Lechner

Politik

W i e n - Nicht so sehr wegen der Verschiedenheit der Meinungen zu Sachthemen, sondern vielmehr aufgrund divergierender Vorstellungen der Teilnehmer und Initiatoren über die grundsätzliche Bedeutung des Jugendkonvents in Brüssel zeigen sich einige der jungen Delegierten enttäuscht.


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Bernhard Stummer, 21, österreichischer Teilnehmer am "Juniorkonvent", hält in erster Linie die Organisation für unbefriedigend: "Es war Sache des Konventssekretariates, einen Zeitplan für die Zusammenkunft festzulegen. Dieser ließ dann aber doch sehr wenig Raum für die Wahrnehmung der eigentlichen Aufgabe, nämlich den Diskurs. Gerade mal vier Stunden waren für eine aus etwa 70 Leuten zusammengesetzte Arbeitsgruppe veranschlagt. Bei allem Verständnis dafür, dass natürlich bei der Organisation auch der Kostenfrage Beachtung geschenkt werden musste, wäre doch eine andere Gewichtung wünschenswert gewesen."

Trotz des knappen Zeitrahmens brachte man doch einiges zustande. Ein 14 Seiten umfassendes Schlussdokument, das von einem starken Bekenntnis zu einem erweiterten Europa zeugt, gibt die erarbeiteten Vorschläge im wesentlichen wieder. Darunter finden sich durchaus ambitionierte, wenn auch schon bekannte Ideen, wie beispielsweise die stärkere Föderalisierung der Union in Richtung des bundesstaatlichen Modells, Ersatz des Vetorechts durch das Erfordernis einer doppelten Mehrheit (Mitgliedsstaaten und Vertreter) in besonders sensiblen Bereichen - und der verständliche Wunsch nach mehr Einbindung der Jugend.

D' Estaing: Mehr Innovation

Für Dämpfung der Begeisterung sorgten auch die verschiedenen Vorstellungen über die grundsätzliche Zielrichtung des Jugendkonvents. So kritisierte der Vorsitzende des regulären "Seniorkonvents", Giscard d' Estaing, Hauptinitiator des Jugendkonvents, anlässlich der Präsentation des Schlussdokuments die zu realpolitische Gestaltung der Diskussionen und Ergebnisse. "Damit hat er sicherlich nicht unrecht. Teilweise waren die Themen ziemlich abgehoben, vielen der Vorschläge und Diskussionen fehlte die Bodennähe, die ein vereintes Europa stärker im Bewusstsein der Leute verankern würde", meint Hartmuth Koller, 22, rückblickend.

Für andere ist die Sichtweise d' Estaings ein Indiz für eine von vornherein beabsichtigte Verniedlichung des Geschehens. Die Konvokation Jugendlicher als PR-Masche für den Erwachsenenkonvent? Die Jugend als Feigenblatt für die "Alten", ausschließlich zuständig für Träumereien, nicht jedoch für konkrete - naturgemäß politische - Vorschläge? Dazu Eva Konrad, ebenfalls 22 Jahre "jung": "Diese Haltung war schon spürbar. Umso wichtiger ist es aber, dass es dann letztendlich zu einem Konsens zumindest unter den Jugendlichen gekommen ist." Der Weg dorthin war jedoch steinig. So steinig, dass man erst um ein Uhr nachts - einige nicht ganz "sitzungsgereifte" Delegierte hatten sich bereits früher absentiert - mit großer Mehrheit zu einem Konsens fand. Weitere Kritikpunkte waren eine zu starke Präsenz der Jugendorganisationen beim Konvent im Vergleich zu einer nahezu nicht vorhandenen Präsenz in den heimischen Medien. "Das Schweizer Fernsehen berichtete, ohne dass die Schweiz überhaupt beim Konvent beteiligt gewesen wäre. Mehr mediale Berichterstattung hätte sicherlich gut getan", so Bernhard Stummer.