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Der russische Staat plant, bis Ende November 76,8 Prozent der Yukos-Tochter Yuganskneftegas mit dem Startpreis von 4 Mrd. US-Dollar zu versteigern - damit würde das Herzstück von Yukos um einen viel zu geringen Betrag verkauft werden, schrieb die "Financial Times". Eine Dresdner Investmentbank schätzte den Wert des Unternehmens, das zwei Drittel des Yukos-Öls fördert, auf 14,7 bis 17,7 Mrd. Dollar. Das Moskauer Justizministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, Teile von Yuganskneftegas zu verkaufen, um damit die Steuerschulden von Yukos in der Gesamthöhe von 7,5 Mrd. einzutreiben.
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Viele Beobachter werten den Steuerstreit als politisch motiviertes Vorgehen der russischen Regierung und Präsident Wladimir Putin: Der frühere Yukos-Präsident Michail Chodorkowski hatte politische Ambitionen nicht ausgeschlossen. Chodorkowski sitzt in Haft, es läuft ein Prozess wegen Steuerhinterziehung und Betrug.
Wie aus Regierungskreisen bekannt wurde, soll an der Auktion eine Gazprom nahe stehende Firma teilnehmen. "Ein Verkauf zu diesem Preis an ein staatliches Monopol wie die Gazprom würde den Russischen Markt zerstören, die Rechte der Minderheiten-Aktionäre ignorieren und das Ende von Yukos als Russlands größter Ölproduzent bedeuten", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax Regierungskreise.
Sogar German Gref, Russlands Wirtschafts- und Handelsminister, kritisierte das Vorhaben: Als Käufer wäre ihm ein Privatunternehmen lieber, sagte er in der Wochenzeitschrift "Die Zeit". In den Vorständen russischer Konzerne säßen zu viele Beamte, die aus der Regierung oder dem Amt Putin kämen. "Natürlich wäre es besser, sie loszuwerden und unabhängige Direktoren einzusetzen." Das Investitionsklima in Russland bezeichnet Gref als "nicht attraktiv genug."
Das sieht Fondsmanager Alexandre Dimitrov naturgemäß anders: Yukos, die Terrorangst in Moskau und der Krieg im Kaukasus seien zwar Risiken, aber kein Grund, nicht in Russland zu investieren, meint Dimitrov von der Capital Invest, Fondsgesellschaft der Bank Austria Creditanstalt. "Der russische Aktienmarkt ist zu wichtig, um ignoriert zu werden." Russland sei der "Hoffnungsmarkt der europäischen Schwellenländern". Dimitrov stützt seine Aussagen auf Unternehmen wie die Gazprom, Lukoil und Surgutneftegas. Auch gesamtwirtschaftlich betrachtet liefere Russland eine "überzeugende Zwischenbilanz".
Im August lagen die Bruttoreserven der Nationalbank (inklusive Finanzministerium) bei 88,7 Mrd. US-Dollar, die Verschuldung betrug per Ende Juni 192 Mrd. US-Dollar, besagen Daten des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) - das allein wäre noch nicht "überzeugend".
"Die Wirtschaft zieht aber total an, es wird viel konsumiert und investiert", heißt es vom WIIW gegenüber der "Wiener Zeitung". Im Halbjahr 2004 betrug das Wirtschaftswachstum 7,5 Prozent. "Mit dem hohen Ölpreis hat Russland einen ziemlichen Pluspunkt", stellt das WIIW fest. Und dieser wird so schnell nicht sinken - dafür sorgt auch Yukos.
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