Zum Hauptinhalt springen

Zu viele Airlines am Himmel: Eine größere Fusionswelle bahnt sich an

Von Karl Leban

Analysen

Der internationalen Luftfahrtbranche stehen heuer schwierige Zeiten ins Haus. Neben den astronomischen Spritpreisen zehrt auch die Krise auf den Kreditmärkten an den Erträgen. Finanzierungen haben sich seit dem Platzen der Subprime-Blase letzten Sommer spürbar verteuert. Deshalb sind viele Airlines nur mehr gebremst - und mittlerweile auch mit Verlusten - unterwegs. Die um ihre Eigenständigkeit kämpfende AUA befindet sich dabei in bester Gesellschaft. | Im Vorjahr profitierte die Branche noch von einem regelrechten Boom bei Flugreisen, der das globale Passagieraufkommen um rund elf Prozent auf 2,2 Milliarden wachsen ließ. Heuer jedoch dürfte sich das Wachstum auf zwei Prozent deutlich abschwächen, prognostiziert die IATA, der internationale Luftfahrtverband, mit Blick auf "dramatische" Veränderungen in der Weltwirtschaft.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 17 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Hatten die Fluglinien im Traumjahr 2007 bei Umsätzen von 480 Milliarden Dollar unter dem Strich Gewinne von 5,6 Milliarden Dollar eingeflogen, stellt man sich in der Branche dieses Jahr auf geschmälerte Ergebnisse ein. Nach aktuellen Prognosen der IATA dürfte der Gewinn auf 4,5 Milliarden Dollar schrumpfen - auf einen Wert, der generell weit von einer Marge von sieben Prozent entfernt ist, die nötig wäre, um Investitionen zu finanzieren.

Was die Situation für jede Airline zusätzlich massiv verschärft, ist die seit Jahren immer größer werdende Konkurrenz in den Lüften - durch Billigflieger und arabische Carrier. Die Branche kämpft mit Überkapazitäten: Zu viele Airlines und zu viele Flugzeuge sind am Himmel. Allein heuer kommen 1200 neue Jets zum Einsatz, letztes Jahr waren es 1000. Flugzeugbauer wie Boeing und Airbus sind mit Aufträgen buchstäblich zugeschüttet.

Vor diesem Hintergrund kommt es keineswegs überraschend, wenn die IATA eine stärkere Konsolidierung des Flugsektors verlangt. In den USA etwa haben Delta und Northwest das Fusionskarussell bereits zum Drehen gebracht. Auch in Europa bahnen sich da und dort weitere Zusammenschlüsse an (nach den Fusionen von Air France und KLM oder von Lufthansa und Swiss). Zu den größeren Verkaufskandidaten zählen zur Zeit die spanische Iberia und die marode italienische Fluglinie Alitalia, die einen strategischen Partner wie einen Bissen Brot braucht.

Auch für die AUA könnte eines Tages die Stunde der Wahrheit kommen (etwa in Gestalt der deutschen Lufthansa oder einer der prosperierenden arabischen Airlines wie den Emirates), gelingt es nicht, sie nachhaltig zu sanieren.

Im Übrigen gilt unter etlichen Experten das Modell nationaler Fluggesellschaften - jedes Land in Europa hat seinen eigenen Carrier - heute als überholt. Angesichts des wirtschaftlichen Drucks könnte sich das Übernahme-Karussell heuer schneller drehen als bisher.

Seite 26

analyse@wienerzeitung.at