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Zukunft bringt Gentherapien

Von Alexandra Grass

Wissen
Immer mehr Kinder leiden unter Neurodermitis. Foto: bb

Gendefekte bei Neurodermitis entdeckt. | Neue Zellkulturen für Schmetterlingskinder. | Wien. Bei der atopischen Dermatitis (Neurodermitis) wie bei der Krankheit der sogenannten Schmetterlingskinder (Epidermolysis bullosa hereditaria) scheint es aufgrund bahnbrechender Ergebnisse in der Grundlagenforschung neue Therapieansätze zu geben. So könnten schwere Hautkrankheiten wie diese bald mittels Gentherapie behandelt werden.


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#Innsbrucker Beteiligung

Neueste Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung werden in den nächsten Tagen im Rahmen des 16. Kongresses der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) in Wien präsentiert und diskutiert. Rund 7000 Dermatologen werden erwartet.

Erst jüngst konnte ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Innsbruck eine genetische Mutation identifizieren, die den starken erblichen Einfluss auf das komplexe Krankheitsgeschehen der atopischen Dermatitis erklärt. Infolge des Gendefekts kommt es zu einer Schwächung der schützenden Hautbarriere, erklärte Tagungspräsident Erwin Tschachler von der Universitäts-Hautklinik am Wiener AKH am Dienstag.

Die Störung liegt im sogenannten Filaggrin-Gen. Dieses steuert die Produktion des gleichnamigen Körpereiweißes, das für die äußere Hautbarriere eine große Rolle spielt. Bemerkbar macht sich diese Störung in trockener und sehr leicht reizbarer Haut.

Sehr wahrscheinlich begünstigt die geschwächte Barriere auch ein erleichtertes Eindringen von Allergenen und erhöht zusätzlich die Entzündungsbereitschaft der Haut. Oft leiden die Betroffenen in späterer Folge auch an Asthma. Neurodermitis betrifft bis zu zehn Prozent der Bevölkerung und sogar jedes fünfte Kind leidet darunter.

Auch Schmetterlingskindern könnte bald geholfen werden. Bei der Krankheit löst sich die Haut bei geringster Belastung ab. Dass sich die oberste Schicht der Haut nicht an die untere Schicht binden kann, ist ebenso auf einzelne Gendefekte zurückzuführen, erklärte Tschachler. Dermatologen an der Universitätspoliklinik von Modena in Italien haben "Hautstammzellen gesammelt, in Zellkultur gezüchtet, ein gesundes Gen eingeschleust und auf die erkrankte Haut transplantiert." Tatsächlich ist es zu einem Anwachsen der Haut gekommen. Und auch noch zehn Monate nach der Behandlung war bei den therapierten Patienten eine intakte Haut festzustellen.

Kongresspräsident Erwin Tschachler freute sich über die absehbare große Beteiligung an der Veranstaltung. Erwartet wurden auch Dermatologen aus China, Indien, Südafrika, Neuseeland und Mexiko.