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Zwölf "schnelle Boote" halten Kurs

Von Heiner Boberski

Wissen

Ziele: Marktlücken füllen, Dynamik in die Wissenschaft bringen. | Nur 15 Prozent der Bewerber erhielten die Akkreditierung. | Wien. Immerhin 4237 Studierende, davon 2747 Inländer, wurden im Wintersemester 2007/2008 an damals elf österreichischen Privatuniversitäten gezählt. Inzwischen macht die Privatuniversität Schloss Seeburg im salzburgischen Seekirchen, die Studien für Wirtschaft und Management anbietet, das Dutzend voll. Der Sektor Privatuniversitäten wurde 1999 durch das diesbezügliche Bundesgesetz geschaffen und wächst seither langsam, aber stetig.


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Die Privat-Unis seien "die schnellen Boote" im Wissenschaftsteich und brächten mit neuen Themen Dynamik hinein, sagt Bernhard Tilg, Rektor der Tiroler Privat-Uni für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (Umit) in Hall und derzeit Vorsitzender der Rektorenkonferenz der Privatuniversitäten. Er führt seine Uni, die Umit, die ein Studium der Medizin-Informatik, von dem man lange nur geredet habe, praktisch eingeführt habe, als positives Beispiel an. Aber auch die Salzburger Paracelsus Privatuniversität für Medizin oder die Wiener Sigmund Freud Privatuniversität für Psychotherapie und Psychologie, die gerade ein spezielles Studienprogramm für Senioren gestartet hat, seien Exempel dafür, wie man Marktlücken entdecken und füllen kann.

Unbestritten ist, dass es sich bei den Privat-Unis um einen sehr heterogenen Sektor handelt, was Größe, Tradition, Finanzierung und Studienangebote anlangt. Grundsätzlich gelten alle Universitäten als privat, die nicht aus Bundesmitteln finanziert werden. Einerseits gibt es sehr junge kleine Einrichtungen, die ein relativ enges Fachwissen vermitteln und deren Budget ganz oder zum allergrößten Teil von den eingenommenen Studiengebühren gedeckt wird. Paradebeispiel dafür ist die Li Shin Zen Privatuniversität in Wien, an der im letzten Wintersemester nur eine auserlesene Zahl von 36 fast ausschließlich weiblichen Studenten in die Geheimnisse der Traditionellen Chinesischen Medizin eingeweiht wurde. Auf der anderen Seite haben sich zum Beispiel die bewährten Musik-Konservatorien in Wien und Linz, mit entsprechender Unterstützung durch die jeweiligen Bundesländer, als Privatuniversitäten etabliert und können ihren jeweils über 800 Studenten sogar zu Studiengebühren, die geringer als jene an staatlichen Unis sind, universitäre Ausbildungen anbieten. Auch die nun als Katholisch Theologische Privatuniversität Linz geführte kirchliche Ausbildungsstätte für Theologen und Religionslehrer besteht schon lange; dort erhöhte man kürzlich die Studiengebühr von 250 Euro pro Studienjahr auf die an staatlichen Unis üblichen 726,72 Euro.

Den Status Privatuniversität erhält man nur mittels einer Akkreditierung durch den Österreichischen Akkreditierungsrat (ÖAR). Wie streng man dort, immer auch mit Beiziehen externer Gutachter, unter dem Vorsitz der Innsbrucker Finanzwissenschafterin Hannelore Weck-Hannemann entscheidet, zeigt der Umstand, dass von sämtlichen bisherigen Anträgen nur 15 Prozent bewilligt wurden.

Jeder Studiengang muss akkreditiert werden

Einer Privat-Uni, der Vienna International University, wurde ihr Titel aberkannt, eine andere, die Imadec in Wien-Mauerbach, wurde nicht reakkreditiert - was derzeit alle fünf Jahre nötig ist. Auch eine anerkannte Privat-Uni muss derzeit jeden neuen Studiengang eigens akkreditieren lassen - dabei ist die Erfolgsquote immerhin 71 Prozent. Das will Wissenschaftsminister Johannes Hahn an Privat-Unis, die sich bewährt haben, in Zukunft vereinfachen, da ja auch den 21 staatlichen Universitäten bei der Einführung neuer Studiengänge derartige Hürden erspart bleiben. Im Sinne einer "Waffengleichheit" plädiert Bernhard Tilg schon lange für gleiche Bedingungen für alle österreichischen Universitäten.

Jene Privatuniversitäten, die alle nötigen Auflagen erfüllen, dürfen als sichtbares Zeichen seit einigen Monaten ein eigenes Gütesiegel verwenden. Ein solches "internationales TÜV-Pickerl" schwebt Hahn auch für die staatlichen Unis vor, die derzeit gegenüber den Privatuniversitäten Vor- und Nachteile aufweisen. Einerseits haben sie eine sichere Basisfinanzierung und weitgehende Autonomie bei der Gestaltung ihrer Programme, anderseits können sie sich nur in wenigen Fällen (vor allem Kunst, Medizin, Sport) die Studenten aussuchen, während die Privatuniversitäten durch Aufnahmeverfahren und nicht zuletzt auch durch hohe Studiengebühren den Zugang beschränken können. Die Kosten sind je nach Bachelor-, Master- oder Doktoratsprogrammen oft verschieden, an der PEF Privatuniversität in Wien kostet ein Studienjahr bis zu 30.000 Euro.

Dass Privat-Unis grundsätzlich als Domäne der Reichen anzusehen sind, wird schon durch die Tarife an den meistbesuchten Bildungsstätten, den Musik-Unis in Linz und Wien, widerlegt. Und die hohen Gebühren an manchen anderen Einrichtungen können sich, so Rektor Tilg, als Investition durchaus rechnen. Denn während man an Massenuniversitäten oft nur mit Verzögerungen studieren kann, erreicht man an der Privat-Uni meist schneller den Abschluss und kommt dadurch früher zum Verdienen. Weiters sei dem Studium an Privat-Unis förderlich: die Arbeit in Kleingruppen und die bessere persönliche Betreuung der Studenten. Tilg: "Wir haben in den Bewerbungsgesprächen die Erfahrung gemacht, dass die Bewerber meist sehr mündige, gut informierte und hochmotivierte Personen mit sehr guten Zeugnissen sind, die sich genau überlegt haben, warum sie an eine Privatuniversität gehen. Das sind Leute, die Karriere machen wollen."

Bekommt Krems die nächste Privat-Uni?

Betreiben die Privat-Unis neben der Lehre auch ausreichend Forschung, wie es Aufgabe einer Universität sein sollte? Hier will Tilg nur für die Umit sprechen, die sich aus seiner Sicht zu einem wichtigen Zentrum der Krebsforschung in Österreich entwickelt hat und bereits auf 160 Publikationen in internationalen Fachzeitungen verweisen kann. Es wurden auch Mittel aus dem jüngsten EU-Rahmenprogramm eingeworben. Die Umit erhalte 25 Prozent ihres Budgets vom Land Tirol, müsse aber, so Tilg, 75 Prozent "hochkompetitiv" über Studiengebühren und Drittmittel selbst erwirtschaften.

Tilg ist überzeugt, dass es bald zu weiteren Privat-Uni-Gründungen kommen wird. In den Startlöchern scharrt bereits ein Medizin-Projekt in Krems. Dort gibt es bereits - freilich ohne offiziellen Privat-Uni-Status - die "Donau-Universität".