Billy Wilder: Erzähler mit der Kamera
Billy Wilder

Lebensdaten

Aufzählung Geboren am 22. 6. 1906 in Sucha bei Krakau
Aufzählung Kindheit und Jugend in Wien
Aufzählung Journalist in Berlin; erste Arbeit an einem Drehbuch 1929
Aufzählung Emigration 1933; Annahme der US-Staatsbürgerschaft 1939
Aufzählung Hochzeit mit Audrey Young 1949
Aufzählung Ausgezeichnet mit dem Irving Thalberg Award und dem American Film Institute's Lifetime Achievement Award 1988
Aufzählung Gestorben am 27.3.2002 in Beverly Hills
 

Links

Aufzählung Zitate
Aufzählung Kurzbiographie
Aufzählung Short Biography
Aufzählung Filmography
Aufzählung Interview
Aufzählung Fotos und Plakate
 

Filmauswahl

Aufzählung Sunset Boulevard (1950)
Aufzählung Das verflixte siebente Jahr (1955)
Aufzählung Some Like It Hot (1959)
Aufzählung Das Appartment (1960)
Aufzählung Irma La Douce (1963)
Aufzählung Extrablatt (1974)
Aufzählung Buddy, Buddy (1981)
 

Literatur

Aufzählung Billy Wilder: Der Prinz von Wales geht auf Urlaub. Berliner Reportagen, Feuilletons und Kritiken der zwanziger Jahre, Heyne, München 2000
Aufzählung Alison Castle (Hrsg.): Billy Wilder's Some like it hot, Taschen, 2001
Aufzählung Cameron Crowe: Hat es Spaß gemacht, Mr. Wilder? Diana Verlag, München 2000
Aufzählung Hellmuth Karasek: Billy Wilder. Eine Nahaufnahme, Heyne, München 1992
Aufzählung Ed Sikov: On Sunset Boulevard: The Life and Times of Billy Wilder, Hyperion, 1999
 

Das verflixte siebente Jahr

Billy Wilder wurde als Samuel Wilder am 22. Juni 1906 in Sucha bei Krakau geboren, damals Teil Österreich-Ungarns. Er wuchs in Wien auf, verfolgte kurze Zeit den Plan, Anwalt zu werden und begann dann lieber eine Laufbahn als Journalist. Seine Mutter verpasste ihm nach einer Westernshow den Spitznamen "Billie", den er nach seiner Ankunft in den USA in Billy umwandelte. In Berlin hat Wilder 1929 bei seiner Mitarbeit am Drehbuch für den Stummfilm "Menschen am Sonntag" ersten intensiven Kontakt zum Film gefunden. 1933 emigrierte er zunächst nach Frankreich und von dort nach Amerika.

Hungerjahre in Hollywood

1934 kam Wilder in Hollywood an - mit einem One-Way-Ticket. Die Reise war durch einen Vertrag mit Columbia Pictures über 150 Dollar wöchentlich für ein von einem Dolmetscher übersetztes Skript ("Pam Pam") möglich geworden. Sein Englisch war zunächst mangelhaft - angeblich konnte er nur 100 Wörter. Wilder hat sich die Sprache nach eigenen Angaben später selbst beigebracht, bei Kinobesuchen und durch Radioübertragungen von Baseball-Spielen. Lange habe er sich selbst gezwungen, täglich 20 neue Wörter zu lernen. Nachdem der Sechs-Monats-Vertrag mit Columbia ausgelaufen war, war Wilder zwei Jahre arbeitslos. Er teilte sich mit dem Schauspieler Peter Lorre ein Appartement und "hungerte ein bisschen", wie er später sagte.

Billys Bruder Willie war schon zuvor in die USA ausgewandert, die übrige Familie kam jedoch nicht nach. Seine Mutter Eugenia, seine Großmutter und sein Stiefvater wurden von den Nazis ins KZ Auschwitz deportiert und ermordet. Billy Wilder sah seine Zukunft immer in den USA und hegte nie, wie viele andere Emigranten, die heimliche Hoffnung auf eine Rückkehr nach dem Sieg über Hitler. "Ich wusste, hier ist mein Zuhause. Hier werde ich sterben ", sagte er später. Um sein Visa verlängern zu lassen, musste er sechs Monate nach der Einreise sogar kurz nach Mexiko. 1939 wurde er amerikanischer Staatsbürger.

Unterhaltung oder Zynismus

Nach einigen schwierigen Jahren begann Wilders Karriere als Drehbuchschreiber bei den Paramount Studios. Seine witzigen und zynischen Dialoge - in den Skripts und am Set - machten ihn bekannt und verschafften ihm erste Erfolge. Um seine Drehbücher vor den Regisseuren "zu schützen", wurde er schließlich selbst einer. Als sein Motto galt: "Ich mache nur Filme, die ich auch selber gerne sehen würde". Ein anderer seiner Wahlsprüche war: "Niemals die Leute langweilen. Und wenn du etwas Wichtiges zu sagen hast, verpack es vorher in Schokolade". Kritiker warfen Wilder allerdings eine zynische Grundeinstellung vor. "Er hatte Rasierklingen im Kopf", meinte etwa der Schauspieler William Holden.

Nach Kriegsende arbeitete Wilder als Colonel in der US-Armee bei der Entnazifizierung Deutschlands. Dabei soll er einmal gefragt worden sein, ob ein ehemaliger Nazi, Anton Lang, bei den Passionsspielen in Oberammergau die Rolle des Jesus spielen könne. "Erlaubnis erteilt, aber die Nägel müssen echt sein", antwortete er damals. "Billy Wilder war nicht irgendein Überlebender. Er war der Überlebende schlechthin", sagte der Filmhistoriker David Thomson über ihn. "Für uns war er die Verbindung zur guten alten Zeit. Allein seine Anwesenheit machte Hollywood zu einem Wiener Bezirk".