• vom 20.11.2008, 17:56 Uhr

Analysen


Geringes Eigenkapital ist ein strukturelles Problem - Rettungspakete halten unrentable Unternehmen am Leben

Bankenpakete sind ein falscher Schritt: Der Weg in die Depression




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Zum anderen droht ein Steigen der Zinsen. Durch massive Interventionen auf den Märkten für Zinsderivate, für Rohstoffderivate (Rohöl) und auf dem Goldmarkt ist es bislang gelungen, ein starkes Ansteigen der Zinsen zu vermeiden. Diese Politik lässt sich nicht mehr lange weiterführen. Auf dem Gold- und dem Rohölmarkt trennt sich der physische Markt bereits von der Entwicklung bei den Derivaten. In den nächsten zwölf Monaten droht ein (womöglich explosives) Steigen der Zinsen, was nicht nur die Staatsfinanzen in praktisch allen westlichen Ländern zerrütten würde, sondern weitere große Probleme für die Finanzmärkte bedeuten würde, da viele Finanzintermediäre langfristige Anlagen kurzfristig finanziert haben.

Was dann? Sollen weite Teile der Wirtschaft verstaatlicht werden, wie es der französische Staatspräsident unverblümt gefordert hat? Das läge ganz in der Logik der Rettungspakete, aber es würde den Marktprozess der "schöpferischen Zerstörung" (Schumpeter) zum Erliegen bringen. Noch mehr unrentable Unternehmen und Industrien würden künstlich am Leben erhalten werden, zu Lasten der immer kleiner werdenden freien Wirtschaft. Das könnte uns sehr schnell in eine große Depression führen, wie bereits in den 1930er Jahren. Auch damals wurde eine Finanzkrise durch ungeeignete Interventionen (Beschränkungen des Handels, Höchst- und Mindestpreise, Subventionen, öffentliche Arbeiten, Steuererhöhungen) immer wieder künstlich verlängert.

Staat sollte Hindernisse für Reinigung entfernen

Was sind die Alternativen? In der gegenwärtigen Lage gibt es keine einfachen und schmerzfreien Lösungen. Vielleicht wäre es an der Zeit, den natürlichen Selbstheilkräften des Marktes eine Chance zu geben. Es ist durchaus vorstellbar und möglich, dass der Staat einfach nur die Hindernisse aus dem Wege räumt, die einer deflationären Reinigung der Märkte im Wege stehen. Zu diesen Hindernissen zählen insbesondere die Monopolstellung der Zentralbanken, Mindestlöhne und andere Beschränkungen des Arbeitsmarktes sowie die Agrarpreispolitik.

Sicherlich gibt es für diesen Lösungsansatz heute keine politischen Mehrheiten. Aber es ist immerhin ein Ansatz, der bis in die frühen 1920er Jahre immer wieder erfolgreich zum Tragen kam und der genau jene langfristige Perspektive bietet, die der gegenwärtigen Politik so völlig fehlt.

Guido Hülsmann lehrt an der Universität Angers (Frankreich) und ist Senior Fellow am Ludwig- von-Mises-Institute in Auburn (Alabama). Er zählt zu den Ökonomen der Wiener Schule.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2008-11-20 17:56:20
Letzte Änderung am 2008-11-20 17:56:00


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