• vom 18.08.2011, 18:32 Uhr

Analysen

Update: 18.08.2011, 18:44 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Analyse

Das Attentat von Eilat richtet sich vor allem gegen einen Palästinenserstaat


Von Georg Friesenbichler

Die Reaktion kam ebenso reflexartig wie prompt: Die Hamas im Gaza-Streifen sei schuld an dem neuen Anschlag in Eilat, der etliche Tote forderte, unter ihnen auch israelische Zivilisten, ließ die Regierung in Jerusalem verlauten. Die Hamas begrüßte zwar den Anschlag, bekannte sich aber nicht zu seiner Urheberschaft.

Werbung

Vermutlich ist die Hamas wohl eher damit beschäftigt, mit der im Westjordanland platzierten Palästinensischen Autonomiebehörde von Mahmoud Abbas über die Bildung einer gemeinsamen Regierung zu verhandeln. Die rivalisierenden Bewegungen hatten im April ein Versöhnungsabkommen geschlossen, das die Bildung einer Übergangsregierung aus unabhängigen Politikern vorsah, die bis zum Mai 2012 Präsidentschafts-und Parlamentswahlen organisieren soll. Die Gespräche darüber gestalten sich zäh, erst Anfang August sind sie wieder aufgenommen worden.

Daher scheint es durchaus möglich, dass es eine der vielen kleinen palästinensischen Splittergruppen gerade darauf abgesehen haben könnte, dieses Abkommen zu boykottieren. Auf sie hat weder die Fatah im Westjordanland noch die Hamas in Gaza Einfluss. Wahrscheinlicher ist aber, dass eine militante Gruppe auf eine Schädigung von Abbas abzielt. Denn der bereitet gerade ein großes Projekt vor: die einseitige Ausrufung eines Palästinenserstaates und dessen Anerkennung durch die UNO. Israel versucht alles, um dies zu verhindern, die USA haben ein Veto dagegen im UNO-Sicherheitsrat angekündigt.

Weil Israel aber gleichzeitig dabei ist, den Ausbau jüdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten vehement voranzutreiben, ist die Stimmung zwischen Washington und Jerusalem derzeit nicht gut, ganz zu schweigen vom Ansehen Israels bei jenen 120 Staaten, die jetzt schon zur Anerkennung eines eigenständigen Palästinas bereit sind.

Es gibt aber durchaus Palästinensergruppen, die die Eigenstaatlichkeit ablehnen, wohl vor allem, weil damit über kurz oder lang eine Anerkennung Israels durch die Palästinenser einhergehen müsste. Manche wollen noch immer die Juden aus dem ganzen ehemals britischen Mandatsgebiet vertrieben sehen.

Für Abbas kommt damit das Attentat nahe dem beliebten Badeort Eilat zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Denn bis zum entscheidenden Datum bleibt nur noch ein Monat Zeit: Am 20. September soll der Antrag auf Aufnahme in die UNO dem Generalsekretär Ban Ki-moon und der Vollversammlung der Vereinten Nationen vorgelegt werden.




Schlagwörter

Israel, Palästina, Analyse

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-08-18 18:38:05
Letzte Änderung am 2011-08-18 18:44:31


Beliebte Inhalte



  • Vertriebene Gezi-Park-Demonstranten rüsten sich für die nächste Protestaktion.
  • weiter

  • Festwochen-Bilanz 2013: Pendeln zwischen Konvention und Innovation.
  • weiter

  • Führung will jeden Widerstand
  • schon im Keim ersticken.
  • weiter

  • Datenschutz: Die EU debattiert,
  • der US-Geheimdienst spioniert.
  • weiter



Werbung




Schwere Unwetterschäden nach einem Murenabgang im Ortskern von Hallstatt aufgenommen am Mittwoch, 19. Juni 2013. Nach einem heftigen Unwetter ist der Mühlbach über die Ufer getreten wobei eine Mure den Ortskern von Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut beschädigt hat.

Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk. Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt.

19.6.2013: Ein Turopolje-Schwein schwimmt in einem Teich im Tierpark in Schleswig-Holstein. Die robusten Schweine stammen ursprünglich aus den Flussniederungen der Save in Kroatien. Die Turopolje sind ausgezeichnete Schwimmer, die sich bei Überschwemmungen die Nahrung auch unter Wasser suchen und sogar nach Muscheln tauchen. Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück.

Werbung