• vom 19.10.2011, 17:24 Uhr

Analysen

Update: 19.10.2011, 17:41 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Analyse

Die Mühen der Aufarbeitung


Von Christof Habres

Eine renommierte Kulturinstitution des Landes macht sich anlässlich eines Jubiläums daran, ihre Geschichte während des NS-Regimes aufzuarbeiten. Ein löbliches Unterfangen des Künstlerhauses. Ein absolut notwendiger Schritt, um mit seiner Geschichte ins Reine zu kommen. Gerade in Österreich, gerade in Wien. Aber, so stellt man sich die Frage, warum mussten dafür mehr als 66 Jahre vergehen? Bis sich ein rundes Jubiläum ergibt oder ein Direktor den Mut hat, die Vergangenheit zu untersuchen.

Werbung

Ist es tatsächlich so, dass sich bis dato eine Mehrzahl der heimischen Institutionen davor scheut, ihre Vergangenheit gründlich aufzuarbeiten, weil noch bis vor einigen Jahren opportunistische Mitträger und Mitläufer des NS-Regimes entweder Ehrenmitglieder waren oder überhaupt noch Funktionen innehatten? Müssen die Nachkommen oder Erben von Menschen, die unter den Nazis verfolgt wurden, und eine interessierte aufgeschlossene Öffentlichkeit wirklich so lange warten, bis der letzte NS-Sympathisant verstorben ist, bevor diese Institutionen ihre Archive für Recherchen öffnen und allgemein zugänglich machen?

Es wird immer wieder zu einer Farce, wenn etwa Restitutionsansprüche an Museen gestellt werden. Mit der anscheinend sehr österreichischen Beweglichkeit versuchen sich die meisten Direktoren um diese Thematik pseudo-argumentativ herumzulavieren; werfen mediale Nebelgranaten und versuchen es so lange wie möglich - auch ein klassischer Satz der heimischen Nachkriegspolitik - in die Länge zu ziehen. Hier kommt wieder der Faktor Zeit ins Spiel: Hätten der Staat Österreich und seine kulturellen Institutionen schon nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Courage gehabt, proaktiv ihre Verantwortlichkeit an den begangenen Verbrechen aufzuarbeiten, müsste dieser perfide Kampf "wer lebt länger" nicht geführt werden. Dann könnten die oft hinterfotzigen Fragen nach der Beweisbarkeit einzelner Fälle, mehr als 60 Jahre danach, nicht gestellt werden. Dann hätten Museen und andere Kulturinstitutionen ein klares, wissenschaftlich aufgearbeitetes Geschichtsbild und müssten nun nicht wie Diebe bangen, dass man ihnen doch noch wegen unaufgearbeiteter NS-Komplizenschaften auf die Schliche kommt.

Deswegen ist zu hoffen, dass die Initiative des Künstlerhauses Schule macht und andere Institutionen folgen werden. Es kann im Jahr 2011 nicht sein, dass nur das Künstlerhaus und der Fußballklub Rapid Wien als gelungene Beispiele geschichtlicher Aufarbeitung genannt werden können.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-10-19 17:29:08
Letzte Änderung am 2011-10-19 17:41:59


Beliebte Inhalte



  • Bei Frauen an der Spitze ist die Hochschülerschaft wegweisend.
  • weiter

(hes) Vor nicht allzu langer Zeit war Erfolg noch recht simpel definiert: Wer konkurrenzfähige Produkte zu vernünftigen Preisen erzeugte...weiter

  • Vertrauen der Franzosen in ihren
  • Präsidenten auf dem Tiefpunkt.
  • weiter

Im Umfragetief: Frankreichs Präsident François Hollande. - reuters
  • Schlechte Wirtschaftsdaten machen Regierung in Paris zu schaffen.
  • weiter



Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung