• Artikel vom 06.12.2011, 17:24 Uhr

Analysen

Update: 06.12.2011, 17:52 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Analyse

Comeback als Stadtguerilla


Von Michael Schmölzer

Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, das sich "Occupy"-Aktivisten und Polizei derzeit überall in den USA liefern. Die Behörden ließen im November alle großen Protest-Camps von Los Angeles bis New York räumen, die Zustände seien zu unsicher und unhygienisch, hieß es. Doch die jugendlichen Aktivisten denken nicht ans Aufgeben, im Gegenteil. "Re-Occupy" lautet jetzt das Schlagwort, aus einem Park vertrieben wird kurzfristig ein Platz im Stadtzentrum besetzt. Mit zunehmender Kälte fallen unterschiedliche Gebäude in die Hände der Demonstranten, zuletzt etwa ein leerstehendes Kaufhaus in Seattle.

Werbung

Die anrückende Polizei wird zuerst ausgepfiffen, dann erfolgt mehr oder weniger rasch die Räumung mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Die Vertriebenen, die nicht festgenommen worden sind, sammeln sich einige Blocks weiter, protestieren mit Sit-ins vor den geräumten Häusern und rufen via Facebook zu neuen Aktionen auf. "Occupy Wall Street" profiliert sich dabei immer deutlicher als eine Art Stadtguerilla, die mit friedlichen Mitteln kämpft, öffentlichen Raum für sich beansprucht, zu unorthodoxen Methoden greift und dabei fallweise erstaunliche Kreativität an den Tag legt. So ist "Occupy Melbourne" dazu übergegangen, die verdutzte Polizei zu narren: Protest-Zelte in australischen Parks bekommen bei Herannahen der Beamten Arme und Beine und laufen davon.

Auch das Machtzentrum Washington bleibt nicht verschont von "Hit and Run"-Aktionen der Unzufriedenen. Die Bewegung versteht sich als Vertretung jener 99 Prozent, die durch die Mächtigen ausgebeutet werden. Dementsprechend wollte sie am Dienstag die Büros von 99 Kongress-Mitgliedern besetzen. Das Protestbündnis nahm die Prachtstraße "The Mall" in Besitz und errichtete dort Zelte, auf der Freedom Plaza finden Konzerte statt. Am Donnerstag wollen die Aktivisten mit Geistlichen verschiedener Konfessionen beten. Das Arbeitslosenbündnis American Dream Movement führt die Aktion in Washington an, etliche Gewerkschaften unterstützen die Proteste.

Die Befürchtung - oder Hoffnung -, die "Occupy"-Bewegung würde den Winter nicht überleben, scheint sich nicht zu bewahrheiten. Für Samstag ist der zweite globale Aktionstag geplant. Der erste fand am 15. Oktober statt, damals gingen weltweit Hunderttausende auf die Straßen. Kommende Woche wollen Aktivisten sämtliche Verladehäfen an der US-Westküste blockieren. Vorbild ist die erfolgreiche Blockade des Hafens von Oakland am 2. November durch 50.000 Menschen.

Noch ist nicht klar, welche Bedeutung die Protestbewegung erlangen kann. Klar ist mittlerweile, dass in den kommenden Monaten mit ihr zu rechnen sein wird.




Schlagwörter

USA, Protest, Krise, Occupy

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2011-12-06 17:29:15
Letzte Änderung am 2011-12-06 17:52:39


Beliebte Inhalte



Dankbarkeit ist keine politische Kategorie, zuletzt gesehen bei der Entlassung von Deutschlands Umweltminister Norbert Röttgen...weiter

Ja, es wird langsam redundant, sich darüber aufzuregen. Aber das Problem ist auch nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Es wird immer absurder...weiter

  • Die Liga hat sich ein neues Gesicht verliehen, ein attraktives ist es nicht.
  • weiter

Die Schüsse, die am vergangenen Freitag in Genua den Geschäftsführer der Atomfirma Ansaldo Nucleare, Roberto Adinolfi, in die Beine trafen...weiter

Zu den Stehsätzen von Politikern gehört, dass eine Landeswahl eigenen Gesetzen folge. Man solle nicht regionale Ergebnisse überbewerten...weiter

Für die zwei Millionen Arbeitslosen in Osteruropa werde Österreich wie ein Magnet wirken. Die Arbeitsmarktöffnung werde "eine Massenzuwanderung"...weiter

Ja, es wird langsam redundant, sich darüber aufzuregen. Aber das Problem ist auch nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Es wird immer absurder...weiter

Die Schüsse, die am vergangenen Freitag in Genua den Geschäftsführer der Atomfirma Ansaldo Nucleare, Roberto Adinolfi, in die Beine trafen...weiter



Werbung



Schlagwörter



Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren.

Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera. Schauspieler Antonio Banderas kommt in Vertretung seiner Frau, Melanie Griffith, zur Red Ribbon Celebration Concert am Vorabend des Life Balls im Burgtheater.

20.05.2012: Auch beim G8-Gipfel führte kein Weg am Champions League-Finale vorbei. Jubel und Trauer lagen sichtbar nah beinand, v.l.n.r.: Der britische Premier David Cameron, US Präsident Barack Obama, deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Kommissionspräsident José Manuel Barroso,, der französische PräsidentFracois Hollande (sitzend). Wien. (cra) Castingshows haben schon lange die Welt der Klassik erreicht: Zum vierten Mal diente der Auftakt der Wiener Festwochen als Austragungsort des Wettbewerbs "Eurovision Young Musicians." 
Im Bild: Emmanuel Tjeknavorian, der österreichische Teilnehmer des "Eurovision Young Musicians 2012".

Werbung