• vom 27.12.2011, 16:40 Uhr

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Update: 27.12.2011, 17:06 Uhr
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Analyse

Ende einer langen Feindschaft?


Von Georg Friesenbichler

Ausgerechnet innerkoreanische Konflikte waren es, die 1894 zum sogenannten Ersten Chinesisch-Japanischen Krieg führten. Japan, das im 19. Jahrhundert zur regionalen Großmacht aufgestiegen war, ging daraus als Sieger hervor und setzte sich überdies auf dem asiatischen Festland fest. Die daraus resultierenden Auseinandersetzungen mündeten schließlich im zweiten Krieg zwischen den beiden Mächten (1937 bis 1945) - und dieser bestimmt bis heute das Klima zwischen den zwei Staaten, auch wenn ihre Gesellschaft heute ganz anders gestaltet ist als damals. Vor allem die Tatsache, dass Japan seine Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkriegs nie richtig aufgearbeitet hat, stößt den Chinesen - und übrigens auch den Koreanern - bis heute sauer auf.

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In jüngster Zeit scheint es aber eine Annäherung zu geben, und wieder liegt es zumindest zum Teil an Korea. Schließlich weiß keiner, was von den Erben des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il zu erwarten ist, welche Rolle das Militär spielt, ob ein Machtkampf bevorsteht und wie es mit dem umstrittenen Atomprogramm weitergehen soll. So ließ denn Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda nach einem Peking-Besuch am Wochenende verlauten, dass eine atomfreie koreanische Halbinsel im Interesse beider Länder sei. Und im Zuge einer Visite in Südkorea, bei der über die regionale Sicherheit gesprochen wurde, meinte der chinesische Vertreter, die Verhältnisse in der Region würden zunehmend komplizierter.

Eine noch größere Rolle als die Sicherheitspolitik spielt für die Annäherung der Erzfeinde aber offenbar die wirtschaftliche Unsicherheit. In einem überraschenden Schritt wurde ein Währungspakt vereinbart, der die Verwendung der eigenen Landeswährungen im bilateralen Handel vorsieht - China ist Japans größter Handelspartner, und der Warenverkehr zwischen den beiden Ländern wird bisher in Dollar abgewickelt.

Die Volksrepublik will damit eingestandenerweise die eigene Währung, den Yuan, "internationalisieren", was gleichzeitig eine Dollar-Schwächung nach sich zieht. Auch chinesische Staatsanleihen sollen in Yuan erworben werden können, was den Japanern eine Alternative zu Dollar-Anleihen bietet. Das trifft wiederum auch die EU, die gehofft hatte, der Kauf von Euro-Anleihen durch China würde die Wirtschaftskrise Europas bremsen.

Zwar weiß noch keiner, wann der Währungspakt in Kraft treten soll. Aber es scheint, dass den Chinesen die Absicherung und Mehrung ihres wirtschaftlichen und politischen Einflusses wichtiger ist als die Geister der Vergangenheit.




Schlagwörter

Japan, China, Analyse, Nordkorea

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-12-27 16:47:02
Letzte Änderung am 2011-12-27 17:06:01


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