• Artikel vom 23.02.2012, 18:07 Uhr

Analysen

Update: 23.02.2012, 18:17 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Analyse

Dauerbaustelle Bankenregulierung


Von Stefan Melichar

Wer allen anderen hinterherläuft, hat den besten Überblick. Darauf hofft die EU-Kommission offenbar nun in Sachen Bankenregulierung.

Werbung

Eine hochrangige Expertengruppe soll im Auftrag von Binnenmarktkommissar Michel Barnier bis zum Ende des Sommers Reformvorschläge für das europäische Bankensystem erarbeiten. Nur zur Erinnerung: Dann jährt sich der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, mit dem die Finanzkrise 2008 ihren Höhepunkt erreichte, bald zum vierten Mal.

Es wäre falsch zu behaupten, dass in der Zwischenzeit nichts geschehen wäre: Europa hat sich eine neue Aufsichtsbehördenstruktur verpasst. Mehrmals wurde mit großangelegten Banken-Stresstests experimentiert. Außerdem wurde Ende 2010 ein Rat für Systemrisiken eingerichtet - eine Frühwarnstelle, die bisher aber kaum in Erscheinung getreten ist.

Dennoch wirkt es befremdlich, wenn erst jetzt eine Expertengruppe (ihr gehört auch der Ex-Chef der Bank-Austria-Mutter Unicredit, Alessandro Profumo, an) prüfen soll, wie eine Trennung von Investmentbanking und Massenkundengeschäft oder die schonende Abwicklung strauchelnder Großbanken funktionieren könnte. Genau diese Fragen, hat man bereits unmittelbar nach Lehman heftig diskutiert.

Nun soll sich die Arbeitsgruppe ansehen, wie anderswo mit dem Thema umgegangen wird: Die USA bringen gerade den sogenannten Dodd-Frank-Act auf den Weg. Dieser sieht unter anderem vor, dass Großbanken eine Art Patientenverfügung mit gangbaren Insolvenz-Szenarien bei den Behörden hinterlegen müssen. Außerdem sorgt die sogenannte Volcker-Regel dafür, dass künftig der Eigenhandel von Banken massiv eingeschränkt wird. In Großbritannien wiederum soll das risikoreiche Investmentbanking vom Privatkundengeschäft getrennt werden.

Kontinentaleuropa hat nun die Chance, sich an diesen Ideen zu orientieren und mögliche Fehler der Frühstarter USA und Großbritannien zu vermeiden. So warnt das renommierte Magazin "Economist" vor einer aus dem Ruder laufenden Bürokratieflut bei der Umsetzung des Dodd-Frank-Acts.

Was Banken zuletzt tatsächlich sicherer gemacht hat, sind die verschärften Eigenkapitalpflichten (Basel III), die zwar noch nicht in Kraft sind, aber an den Märkten verlangt und von den Banken vorweggenommen werden. Die zusätzlichen Schutzpölster in den Bilanzen helfen da, wo auch die umfassendste Regulierung versagt: wenn Geschäfte, die auch von den Behörden als Inbegriff der Sicherheit eingestuft werden, plötzlich zum massiven Verlustbringer werden - siehe Staatsanleihen.




Schlagwörter

Analyse, Bankenregulierung

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-23 18:14:08
Letzte Änderung am 2012-02-23 18:17:43


Beliebte Inhalte



Dankbarkeit ist keine politische Kategorie, zuletzt gesehen bei der Entlassung von Deutschlands Umweltminister Norbert Röttgen...weiter

Ja, es wird langsam redundant, sich darüber aufzuregen. Aber das Problem ist auch nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Es wird immer absurder...weiter

  • Die Liga hat sich ein neues Gesicht verliehen, ein attraktives ist es nicht.
  • weiter

Die Schüsse, die am vergangenen Freitag in Genua den Geschäftsführer der Atomfirma Ansaldo Nucleare, Roberto Adinolfi, in die Beine trafen...weiter

Zu den Stehsätzen von Politikern gehört, dass eine Landeswahl eigenen Gesetzen folge. Man solle nicht regionale Ergebnisse überbewerten...weiter

Für die zwei Millionen Arbeitslosen in Osteruropa werde Österreich wie ein Magnet wirken. Die Arbeitsmarktöffnung werde "eine Massenzuwanderung"...weiter

Ja, es wird langsam redundant, sich darüber aufzuregen. Aber das Problem ist auch nicht kleiner geworden. Im Gegenteil: Es wird immer absurder...weiter

Die Schüsse, die am vergangenen Freitag in Genua den Geschäftsführer der Atomfirma Ansaldo Nucleare, Roberto Adinolfi, in die Beine trafen...weiter



Werbung



Schlagwörter



Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren.

Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera. Schauspieler Antonio Banderas kommt in Vertretung seiner Frau, Melanie Griffith, zur Red Ribbon Celebration Concert am Vorabend des Life Balls im Burgtheater.

20.05.2012: Auch beim G8-Gipfel führte kein Weg am Champions League-Finale vorbei. Jubel und Trauer lagen sichtbar nah beinand, v.l.n.r.: Der britische Premier David Cameron, US Präsident Barack Obama, deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Kommissionspräsident José Manuel Barroso,, der französische PräsidentFracois Hollande (sitzend). Wien. (cra) Castingshows haben schon lange die Welt der Klassik erreicht: Zum vierten Mal diente der Auftakt der Wiener Festwochen als Austragungsort des Wettbewerbs "Eurovision Young Musicians." 
Im Bild: Emmanuel Tjeknavorian, der österreichische Teilnehmer des "Eurovision Young Musicians 2012".

Werbung