• vom 27.04.2012, 17:48 Uhr

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Update: 28.04.2012, 14:43 Uhr
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Analyse

Zugangs- oder Gebührenhoheit


Von Brigitte Pechar

Und ewig grüßt das Murmeltier. Kaum flammt die Debatte um Studiengebühren auf, bringen sich SPÖ und ÖVP in ihre gewohnten Stellungen - nicht Seite an Seite, sondern in Opposition zueinander. Vizekanzler Michael Spindelegger bekräftigte: "Wir werden insgesamt nicht auskommen ohne Beiträge der Studierenden selbst." Bundeskanzler Werner Faymann kann sich lediglich eine Reparatur der vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) aufgehobenen Studiengebühren für Langzeitstudenten vorstellen.

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Ausgelöst hat diese neuerliche Debatte die Universität Wien, deren Senat am Donnerstag als erster in Österreich die Einhebung von Studiengebühren ab Wintersemester 2012/13 beschlossen hat. Weitere zehn der insgesamt 21 Universitäten planen dasselbe: die Unis Innsbruck, Graz, Salzburg, Klagenfurt, weiters die Medizin-Universität Wien, die Wirtschaftsuni Wien, die Veterinärmedizinische Uni, die Kunst-Universität Graz und die TU Wien und Graz.

Interessant ist, dass die drei Wiener Kunstuniversitäten und die Medizin-Uni Innsbruck unter jenen sind, die auf keinen Fall Studiengebühren einheben wollen - neben der Montanuni Leoben und etwa der Boku-Wien. Es sind dies jene Hochschulen, die sich ihre Studierenden seit Jahren selbst aussuchen. Sie bestimmen daher, wer dort studieren darf und wer nicht. Ausgestattet mit diesen Zugangsbeschränkungen ist es für sie auch einfach, eine Studienplatzbewirtschaftung zu betreiben, wie sie es für richtig halten. Denn eine Kunstuni kann die Hürden hoch oder niedrig ansetzen, detto die Medizin-Unis mit den sehr anspruchsvollen Aufnahmetests.

Und diese Studienplatzbewirtschaftung ist die Gretchenfrage. Selbstverständlich sollen in einem Land wie Österreich, das immer mehr hochqualifizierte Kräfte braucht, möglichst viele junge Menschen ein Universitätsstudium absolvieren. Aber noch immer hat Gültigkeit, dass Masse nicht mit Klasse gleichzusetzen ist.

Solange die Politik nicht bereit ist, die Unis - und da vor allem auch die großen wie die Uni Wien oder die WU - ausreichend mit Mitteln auszustatten, die eine universitätsadäquate Lehre und Forschung ermöglichen, müssen die Universitäten entweder den Zugang selbst regeln können oder eben Beiträge der Studierenden verlangen, um international nur annähernd mithalten zu können.

Ohne diese Möglichkeit wird der österreichische Hochschulsektor international vollends abrutschen. Das sollte sich die Politik vor Augen halten, wenn sie mit dieser Zukunftsfrage jongliert. Dies alleine dem Höchstgericht zu überlassen, ist kein Kompetenzausweis.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-27 17:53:04
Letzte Änderung am 2012-04-28 14:43:46


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