• vom 06.05.2012, 22:29 Uhr

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Update: 06.05.2012, 23:01 Uhr
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Frankreich kehrt zur Normalität zurück


Von Alexander U. Mathé

Er war so anders als alle anderen: Nicolas Sarkozy, alias speedy Sarko, alias président bling-bling, alias omniprésident, war ein Präsident, wie ihn Frankreich noch nicht erlebt hatte. Das begann bei der Ausbildung: Er absolvierte nicht die Kaderschmiede ENA wie die meisten seiner Vorgänger, wie das Gros der hochrangigen Parteikader oder auch sein Konkurrent François Hollande. Er studierte in Nanterre, danach immerhin am Institut d’études politiques de Paris (die exklusive Elitehochschule hatte auch der sozialistische Präsident François Mitterrand besucht). Doch der traditionellen politischen Kaste galt er als Parvenü. Urlaube auf Jachten reicher Freunde, zu denen Sarkozy generell ein sehr öffentliches Naheverhältnis pflegte, könnten diesen Eindruck noch verstärkt haben.

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Dazu kamen die Trennung von seiner zweiten Frau Cécilia Albéniz und dazugehörige - in Frankreich eigentlich als völlig unangebracht geltende - Pikanterien. Dem folgte die schillernde Beziehung zu der Frau, die seine dritte werden sollte: Carla Bruni. Die italo-französische Sängerin, eines der bestbezahlten Models ihrer Zeit, sorgte mit bewegtem (Vor-)
Leben für Schlagzeilen und rückte - für die Franzosen gänzlich ungewohnt - in den Vordergrund (bei Hollande hat Valérie Trierweiler wohl wieder die klassische Rolle der bedächtig im Hintergrund agierenden starken Frau).

Politisch ging für Beobachter mit Sarkozy ein wenig an Gediegenheit verloren. An die Stelle souveräner Distanz traten Schnelligkeit, Allgegenwärtigkeit, aber auch Tatkraft. Ganz Europa staunte, als er beim EU-Finanzministertreffen höchstpersönlich anreiste, die Rede für mehr Flexibilität des Stabilitätspakts schwang und seine Ministerin links liegen ließ.

Ein weiterer Bruch war das Aufweichen der Grenze zur extremen Rechten. Themen wie Immigration und Sicherheit machte er sich zu eigen. Während die einen dies beklagten, akzeptierten andere den Schwenk, um die immer stärker werdende Front National zu stoppen. 2007 konnte Sarkozy Jean-Marie Le Pen noch von 17 auf 10 Prozent der Stimmen reduzieren. Diesmal klappte das nicht, nicht zuletzt, weil er sich als Präsident nicht erlauben konnte, als politischer Rabauke aufzutreten, so wie er 2007 versprach, die Vorstädte mit dem "Kärcher" vom "Abschaum" zu reinigen. Marine Le Pen schaffte fast 18 Prozent.

Man könnte fast sagen: Es ist das Ende eines Experiments.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-06 22:35:03
Letzte Änderung am 2012-05-06 23:01:23


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