• vom 10.05.2012, 20:49 Uhr

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Update: 10.05.2012, 20:53 Uhr
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Analyse

Röttgens Kampf mit halber Kraft


Von Alexander Dworzak

Zu den Stehsätzen von Politikern gehört, dass eine Landeswahl eigenen Gesetzen folge. Man solle nicht regionale Ergebnisse überbewerten, und schon gar nichts auf die Bundespolitik projizieren. Norbert Röttgen tat nicht nur das Gegenteil, er ging einen Schritt weiter - auf die europäische Bühne. Der Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen rief den Urnengang am Sonntag zum Votum über Angela Merkels Euro-Kurs aus. Unmittelbar nach dem Triumph des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande, nach der politischen Flutwelle in Griechenland, die die extreme Linke fast an die Parteienspitze gespült hat.

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So viel Instinktlosigkeit bei einem Profi wie Röttgen verblüfft. Denn Merkels Rezepten zur Bewältigung der Krise wurde in beiden Wahlgängen eine klare Absage erteilt. Indem er das Thema am Köcheln hielt, erwies Röttgen seiner Kanzlerin einen Bärendienst. Bereits zum zweiten Mal spielte Röttgen eine Wirtschafts-Karte falsch aus. In die Wahlauseinandersetzung mit der amtierenden SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ging er mit der klaren Devise "Keine neuen Schulden" - und relativierte diese bei erster Gelegenheit. Kein Wunder, dass die Sozialdemokraten in Umfragen deutlich vor der CDU liegen.

Röttgen hat im Endspurt seiner Kampagne die Bundeskanzlerin beschädigt, sich selbst bereits wesentlich früher. Konsequent verweigerte der Umweltminister die Antwort, ob er auch als Oppositionsführer in den Düsseldorfer Landtag einziehen werde. "Mein Platz ist hier in Nordrhein-Westfalen", stichelte SPD-Politikerin Kraft. Sie führt einen soliden Persönlichkeitswahlkampf, verlässt sich auf ihre offene Art und erzählt die klassische sozialdemokratische Aufstiegsgeschichte, für die sich Schulden lohnen: Vater Straßenbahnfahrer, Mutter Schaffnerin, sie Diplom-Ökonomin. Hannelore kämpft buchstäblich mit ganzer Kraft - im Gegensatz zu Röttgen.

Rot-Grün kämpft am Sonntag darum, nach dem seit 2010 bestehenden Minderheitskabinett eine solide Mehrheit zu erhalten. Ein Sieg würde Rückenwind für die Abwahl der CDU-FDP-Koalition im Bund 2013 geben. Die CDU dagegen hat keine Perspektive in Nordrhein-Westfalen - für Schwarz-Gelb wird es mit Sicherheit nicht reichen und in einer großen Koalition wäre man nur der kleine Partner. Norbert Röttgen, genannt "Merkels Schlauster", weiß das. Er ist Schlüsselfigur der deutschen Energiewende und gilt als brillanter Kopf, der aufgrund seiner Liberalität auch parteiintern auf Skepsis stößt. Mit dem verpatzten Wahlkampf bestätigte er seine Kritiker und enttäuschte seine Förderin Merkel.




Schlagwörter

Analyse, Nordrhein-Westfalen

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-05-10 17:56:02
Letzte Änderung am 2012-05-10 20:53:38


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