• vom 11.07.2012, 18:27 Uhr

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Brief aus den USA

Angst vor der Eskalationsspirale


Von David Ignatius

  • Die Situation im Nahen Osten weckt bedrohliche Erinnerungen an die Lage in Europa vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post". Der Autor war Chefredakteur der "International Herald Tribune". Seine Kolumne erscheint auch in der "Washington Post".

Hoffentlich bekommen wir im Nahen Osten keine Neuauflage von "The Guns of August" zu sehen, wie Barbara Tuchman ihren berühmten Bericht über das Abgleiten in den Ersten Weltkrieg betitelt. Die Region wirkt nervös, während Verhandler sich bemühen, Konfrontationen mit Syrien und dem Iran zu entschärfen.

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Ein Anzeichen der steigenden Spannung ist, dass Saudi-Arabien einige seiner Militär- und Sicherheitsoffiziere dazu angehalten haben soll, ihren Sommerurlaub zu stornieren. Laut saudischen und US-Quellen spiegelt diese Mobilmachung Ängste vor einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran, vor dem Nachfolgekrieg in Syrien und den sunnitisch-schiitischen Spannungen in Bahrain wider.

Diplomaten machen Überstunden, um diese regionale Krise zu entschärfen, bisher aber ohne Erfolg. Der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan sagte am Montag, dass er "konstruktive" Gespräche mit Assad geführt habe und der syrischen Opposition bald Vorschläge unterbreiten werde. Es ist niederschmetternd, wie wenig Fortschritt Annan bisher erzielt hat - trotz breiter internationaler Einigkeit, dass Assad gehen soll.

Das wird in der Tat ein Sommer der diplomatischen Risikobereitschaft. Die optimale Lösung für Syrien wäre eine durch Russland vermittelte Machtablösung gewesen; dieses Fenster schließt sich jedoch. Ab einem bestimmten Punkt ist ein friedlicher Übergang unmöglich.

Auch die Verhandlungen mit dem Iran werden von der Aussicht auf Krieg vorangetrieben, sollte die Diplomatie scheitern. US-Analysten glauben, dass die Gespräche der vergangenen drei Monate die Iraner wenigstens überzeugt haben sollten, dass ihre Verhandlungsposition schwach ist.

Bis an die Grenze zu gehen, ist Teil vieler Verhandlungen, und meist erzielen die Parteien auch Übereinstimmung und vermeiden Katastrophen. Allerdings nicht immer: Ex-US-Außenminister Henry Kissinger sagte vor Harvard-Studenten, wenn die Politiker 1914 gewusst hätten, wie die Welt 1919 aussehen würde, hätten sie sicher andere Entscheidungen getroffen.

Die Überzeugung von Diplomaten, dass Kompromisse in der Hitze der Krise auftauchen, findet in jüngster Zeit leider keine Bestätigung. Die EU hat seit Beginn der Krise in der Eurozone vor drei Jahren 19 Gipfel abgehalten - und noch immer gibt es keine Lösung.

Seit Jahrzehnten untersuchen Strategen die Faktoren, die Nationen in Konfliktsituationen bringen. Eine Lektion aus 1914 ist zum Beispiel, wie wichtig es ist, Eskalationsspiralen zu vermeiden, bei der die Mobilmachung der einen Seite die Mobilmachung der anderen Seite nach sich zieht. Genau das macht mir an der saudischen Alarmbereitschaft Sorgen. Beginnt der Eskalationsprozess, ist er schwer aufzuhalten.

Die US-Regierung hat sich dafür entschieden, Syrien und den Iran mit internationalen Koalitionen zu konfrontieren. Das scheint immer noch die vernünftigste Politik zu sein. Scheitern diese multilateralen Bemühungen, werden sich die USA allerdings eine andere Strategie ausdenken müssen.

Übersetzung: Redaktion




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Dokument erstellt am 2012-07-11 18:32:03


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