• vom 07.08.2012, 17:51 Uhr

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Update: 08.08.2012, 09:34 Uhr
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Analyse

Saubermann-Bank wird Schurken-Institut


Von Hermann Sileitsch

Sie habe Geschäfte um jeden Preis gemacht: Das werfen die US-Behörden der britischen Standard Chartered Bank vor. Deren US-Ableger habe jahrelang Geldgeschäfte mit staatsnahen iranischen Instituten gemacht und somit gegen die Sanktionsregeln der USA verstoßen. Die US-Behörde fährt mächtige Geschütze auf und droht mit Lizenzentzug.

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Die Rolle des Bösewichts ist in diesem Fall klar vergeben. Wer Geschäfte mit dem Iran macht, darf sich wenig Sympathien erwarten. Auch europäische Kommentatoren griffen sofort die Formulierung der US-Finanzaufseher auf und schrieben von der britischen Saubermann-Bank, die zum "Schurkeninstitut" geworden sei. Banken kennen eben keine Skrupel, wenn es um Geschäfte mit fragwürdigen Regimes geht, so der Tenor.

Nun muss man nicht gleich einen Handelskrieg USA-Europa an die Wand malen. Es fällt aber zumindest auf, dass die USA offenbar ein Geschäft darin erkannt haben, europäische Finanzinstitute mit Vorwürfen einzudecken und dann über Vergleiche Kasse zu machen: Lloyd’s, Barclay’s, HSBC, Credit Suisse, ABN Amro, ING - die Aufstellung liest sich wie ein Who’s who europäischer Großbanken. Sie alle mussten jeweils hunderte Millionen Dollar in die Hand nehmen, um die Vorwürfe von illegalen Geschäften mit Drittstaaten - vor allem Libyen, Kuba und Iran - aus der Welt zu schaffen.

Zugegeben: Es wäre eine schwache Rechtfertigung für Standard Chartered, dass viele andere Banken ähnliche Geschäfte gemacht haben. Allerdings lassen sich durchaus mögliche ökonomische und politische Motive hinter dem Agieren der US-Aufseher vermuten. Härte gegenüber US-Feinden wie Iran und null Toleranz gegenüber konkurrierenden Wirtschaftsmächten ist etwas, das sich in einem US-Präsidentschaftswahlkampf hervorragend verkaufen lässt.

In einer perfekten Welt würden Unternehmen und Banken nur mit lupenreinen Demokraten Geschäfte machen. Aber wer darf entscheiden, mit welchen Staaten Geschäfte erlaubt sind und welchen nicht? Oder, wie das ein britischer Standard-Chartered-Manager laut der US-Behörde gegenüber seinen US-Kollegen eine Spur deftiger formuliert hat: "You f -"-cking Americans. Wer seid ihr, dass ihr dem Rest der Welt vorschreibt, dass wir mit Iranern keine Geschäfte machen dürfen?"




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-07 17:56:02
Letzte Änderung am 2012-08-08 09:34:38


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