• vom 13.08.2012, 19:24 Uhr

Analysen

Update: 05.02.2013, 18:04 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Analyse

Irans "Zone der Immunität"


Von Thomas Seifert

Thomas Seifert.

Thomas Seifert. Thomas Seifert.

Wenn es nach dem israelischen Premier Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Ehud Barak geht, dann soll noch vor den US-Wahlen im November ein Schlag gegen die iranischen Nukleareinrichtungen erfolgen. Das war zumindest kürzlich in einer Aufmachergeschichte in der israelischen Tageszeitung "Yedioth Ahronoth" zu lesen, die international für einige Nervosität gesorgt hat.

Werbung

Gleichzeitig ließ Israels Vizeaußenminister Danny Ayalon aufhorchen: Die fünf UN-Sicherheitsratsmitglieder plus Deutschland sollen eingestehen, dass die diplomatischen Versuche, Iran von seinem Nuklearprogramm abzubringen, gescheitert sind. Danach, so Ayalon, solle Teheran klargemacht werden, dass alle Optionen am Tisch sind - und das bedeutet: ein Militärschlag.

Netanyahu und Barak warnen davor, dass Iran bald die "Zone der Immunität" erreichen wird. Damit ist gemeint, dass die Anreicherungsanlagen und Nuklearforschungsstätten in immer tiefer gelegenen und immer besser befestigten Bunkersystemen versteckt werden und so vor Luftschlägen geschützt sind. Netanyahu hat wiederholt dargelegt, dass er es nicht zulassen werde, dass Teheran diese "Zone der Immunität" erreicht und dass ein Angriff vor diesem Zeitpunkt erfolgen wird.

Für die USA ist diese Zone der Immunität noch lange nicht erreicht, verfügen die US-Luftstreitkräfte doch über viel effektivere bunkerbrechende Munition und die USA wären auch in der Lage, eine viel umfangreichere Luft-Kampagne gegen Iran zu fliegen, als das Israel könnte.

Israel fühlt sich in den USA unverstanden: Kenneth N. Waltz, Experte am Saltzman Institute of War and Peace Studies in New York, argumentierte in einem Artikel im renommierten US-Außenpolitik-Fachblatt "Foreign Affairs", eine iranische Bombe Stabilität bringen würde - schließlich habe die Bombe für jahrzehntelange Stabilität auf dem Nachkriegsglobus gesorgt. Der Essay hat in Israel für Empörung gesorgt. Dort ist man der Meinung, dass Iran kein rationaler Akteur ist, sondern eine Macht, der das nukleare MAD-Gesetz der "mutually assured destruction" - der sicheren gegenseitigen Vernichtung - völlig fremd ist.

Beide Positionen sind überzogen: Eine iranische Bombe würde wohl nicht zu mehr Stabilität führen, alleine deswegen, weil dann Mächte wie Saudi-Arabien, die Emirate, Irak oder die Türkei ebenfalls nach der Bombe greifen würden. Andererseits ist Iran kein irrationaler Akteur: Das Oberste Ziel der Machthaber ist die Stabilität ihres Regimes. Wenn ihnen klargemacht werden kann, dass die Bombe das Regime der islamischen Republik mehr gefährdet als sichert, dann - und nur dann - werden sie von ihren nuklearen Plänen ablassen.




Schlagwörter

Analyse, Iran

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-13 18:29:09
Letzte Änderung am 2013-02-05 18:04:14


Beliebte Inhalte



Einst traf man sich beim Wein, nun vor Gericht: ehemalige Telekom- und FPÖ-Manager im Grauen Haus. Nur Haider fehlte. - apa
  • Bankomatfunktion der Telekom selten so deutlich wie im laufenden Prozess.
  • weiter

  • Textilfabriken sollen sicherer werden - ob das umgesetzt wird, ist aber fraglich.
  • weiter

  • Vertrauen der Franzosen in ihren
  • Präsidenten auf dem Tiefpunkt.
  • weiter

  • Bei Frauen an der Spitze ist die Hochschülerschaft wegweisend.
  • weiter

  • Kandidatur von Rafsanjani sorgt für politisches Erdbeben.
  • weiter

Einst traf man sich beim Wein, nun vor Gericht: ehemalige Telekom- und FPÖ-Manager im Grauen Haus. Nur Haider fehlte. - apa
  • Bankomatfunktion der Telekom selten so deutlich wie im laufenden Prozess.
  • weiter



Werbung




Stammgast beim Life Ball: Bill Clinton.

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung