• vom 17.08.2012, 17:58 Uhr

Analysen

Update: 18.08.2012, 14:31 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Analyse

Biosprit beseitigt den Stau nicht


Von Christian Rösner

Die Einführung des Biosprits E10 im Oktober wird derzeit sehr emotional diskutiert - und es werden Vorwürfe laut, dass schon wieder etwas vom Zaun gebrochen wird, weil die entsprechende Info-Kampagne schon fertig ist. Wie bei der Rettungsgasse.

Werbung

Mais und Co. gehören auf den Teller und nicht in den Tank, skandieren Umweltorganisationen, sie verweisen auf steigende Nahrungsmittelpreise und eine Milliarde hungernder Menschen auf der Welt. Immerhin hat der Anbau von Mais für Biosprit in Nordamerika dazu geführt, dass sich der Preis für das Grundnahrungsmittel in Mexiko binnen kurzer Zeit mehr als verdoppelt hat. In Brasilien wiederum findet der Zuckerrohranbau zwar nicht auf abgeholztem Regenwaldboden statt - aber genau dorthin verdrängt er die Sojafelder.

Auf der anderen Seite wird entgegengehalten, dass Österreich das Ganze nichts angeht, weil wir in unserem Agrana-Ethanolwerk in Pischelsdorf ohnehin nur unseren eigenen Biosprit produzieren - den wir momentan exportieren, anstatt ihn selbst zu nutzen.

Vielmehr wird für die Einführung des Biosprits massiv geworben - obwohl das Projekt bereits in Deutschland sensationell gefloppt ist. Aber nicht etwa aus Sorge um die hungernden Menschen: Die deutschen Autofahrer hatten Angst um ihre Motoren - 10 Prozent Ethanol-Anteil im Benzin könnten Schäden anrichten. Niemand hat den billigeren Treibstoff getankt. Tatsächlich würde das Ethanol den Motor aber sogar "durchputzen" und ihn von unliebsamen Rückständen befreien, meinen jetzt die heimischen Autofahrerklubs. Gefährdet seien nur einzelne Gummiteile, die ausgetauscht werden könnten.

Befürworter heben vor allem auch die CO2-Einsparungen hervor. Gemeint ist damit aber nicht der unmittelbare Schadstoff-Ausstoß von Kraftfahrzeugen: Motoren, die von Biosprit angetrieben werden, schleudern genauso viele Abgase in die Luft wie herkömmliche. Die Einsparungen betreffen vielmehr die bei der Produktion und beim Transport des Treibstoffs entstehenden Emissionen. Und die sind im Vergleich zu Benzin und Diesel tatsächlich relevant.

Die Frage ist nur, ob es sinnvoll ist, an den Symptomen zu schrauben, wenn die Ursache nicht behandelt wird. Denn eigentlich gibt es in Österreich ein klares Bekenntnis zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs: Der Individualverkehr soll reduziert und die E-Mobilität vorangetrieben werden - gleichzeitig werden aber in den kommenden Jahren 7Milliarden Euro in den Autobahnausbau investiert. Irgendwie passt das nicht zusammen.




Schlagwörter

E10, Biosprit

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-17 18:03:14
Letzte Änderung am 2012-08-18 14:31:54


Beliebte Inhalte



Einst traf man sich beim Wein, nun vor Gericht: ehemalige Telekom- und FPÖ-Manager im Grauen Haus. Nur Haider fehlte. - apa
  • Bankomatfunktion der Telekom selten so deutlich wie im laufenden Prozess.
  • weiter

  • Textilfabriken sollen sicherer werden - ob das umgesetzt wird, ist aber fraglich.
  • weiter

(hes) Vor nicht allzu langer Zeit war Erfolg noch recht simpel definiert: Wer konkurrenzfähige Produkte zu vernünftigen Preisen erzeugte...weiter

  • Bei Frauen an der Spitze ist die Hochschülerschaft wegweisend.
  • weiter

  • Kandidatur von Rafsanjani sorgt für politisches Erdbeben.
  • weiter

Einst traf man sich beim Wein, nun vor Gericht: ehemalige Telekom- und FPÖ-Manager im Grauen Haus. Nur Haider fehlte. - apa
  • Bankomatfunktion der Telekom selten so deutlich wie im laufenden Prozess.
  • weiter



Werbung




Am Vorabend des Life Balls fand sich bereits Prominenz ein: das Burgtheater lud zum Red Ribbon Celebration Concert, bei dem sich zahlreiche Künstler wie die Operndiva Anna Netrebko (im Bild mit Piotr Beczala),

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung