• vom 04.09.2012, 18:26 Uhr

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Update: 04.09.2012, 18:35 Uhr
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Analyse

Europas letzte Mauern


Von Julia Schneidewind

In Nordirland schwelt der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken weiter: Beide Fraktionen haben am Sonntag die traurige Tradition der jährlichen Unruhen fortgeführt. Anlass war eine von Katholiken organisierte anti-britische Parade, bei der 47 Polizisten verletzt wurden. Protestanten versuchten den friedlichen Marsch zu stören; als die Polizei die Gruppen trennen wollte, wurden die Beamten von beiden Seiten mit Steinen, Benzinbomben und Feuerwerkskörper beworfen. Die Einsatzkräfte gingen mit Wasserwerfern und Gummigeschossen auf die Randalierer los - ganze zwei Nächte dauerten die Kämpfe an.

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Dabei sollte eine politische Basis für den Frieden gegeben sein. 1998 wurde durch das Karfreitagsabkommen zwischen Nordirland, Großbritannien und Irland versucht, den seit den 60er Jahren andauernden Konflikt zu lösen. Seit 2007 regiert sogar eine Allparteienregierung in Nordirland. Die katholische Sinn Fein, bekannt als politischer Arm der IRA, und die protestantische Partei Democratic Unionist Party, bilden seitdem eine gemeinsame Regierung.

Doch der Alltag sieht anders aus: Jedes Jahr kommt es besonders während der sogenannten Marschzeit im Sommer zu Unruhen. Die von der britischen Regierung eingesetzte Paradekommission ließ 2012 sogar den traditionellen Marsch des protestantischen Oranier-Ordens am 12. Juni früher beginnen, damit der Zusammenstoß mit der Gegen-Demonstration vermieden wird. Die Ausschreitungen konnten jedoch nicht verhindert werden.

In den traditionellen Brennpunkten des Konflikts, wie in Belfast oder Londonderry, sind ganze Viertel durch Mauern voneinander getrennt - über 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer. Die sogenannten Peace Lines lassen die Bevölkerung jeden Tag spüren, dass die Unruhen noch nicht vorbei sind. 1969 erbaute die britische Regierung Mauern, die die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken vermeiden sollten. Obwohl die Regierung immer wieder betont, sie wolle den Friedensprozess beschleunigen, ist die Zahl der Peace Lines in den vergangenen Jahren weiter angestiegen. In einem Land, das der EU angehört und damit Teil des Schengenabkommens ist, gibt es zur Zeit 99 Mauern, die besonders in ärmeren Stadtbezirken zu finden sind. Denn in den Reichenvierteln spielen konfessionelle Probleme und soziale Konflikte keine Rolle.

Hingegen findet eine kleine Gruppe von Fanatikern besonders bei arbeitslosen Jugendlichen Gehör für ihre Ideologien, die sie dann während der Proteste in Gewalt umsetzen. Der nordirische Friede scheint somit ein Elitenprogramm zu sein.




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Nordirland

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-04 18:33:09
Letzte Änderung am 2012-09-04 18:35:40


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