Rüstung ist ein Riesengeschäft. Nirgendwo mehr als in den USA, der Nation mit dem größten Militärbudget - heuer gibt das Pentagon mehr als 530 Milliarden Dollar (fast 412 Milliarden Euro) aus. Kein Wunder, dass in den USA auch die weltgrößten Rüstungskonzerne daheim sind: Knapp die Hälfte aller Firmen auf der Top-100-Rüstungsliste des Friedensforschungsinstituts Sipri stammen aus dem Land - darunter acht der Top 10. Diese Bastion zu knacken, wäre zweifellos eines der Hauptziele eines fusionierten europäischen Rüstungsgespanns aus BAE und EADS.
Die Briten - sie generieren 95 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Rüstungsgütern - machen in den USA angesichts der traditionell engen politischen Bindungen zwischen den beiden Ländern ohnehin bereits gute Geschäfte. Die BAE-US-Tochter steckt etwa hinter dem Schützenpanzer Bradley und arbeitet am Kampfflugzeug F-35 Lightning II mit.
EADS dagegen - ihre Rüstungssparte bringt nur rund ein Viertel der gesamten Erlöse des Konzerns - zog im vergangenen Jahr beim sogenannten Jahrhundert-Deal um neue Tankflugzeuge für die US-Luftwaffe den Kürzeren. Der mindestens 35 Milliarden Dollar schwere Auftrag ging nach einem jahrelangen heftigen Schlagabtausch an Boeing. Angesichts schrumpfender Wehretats und Auftragskürzungen auch in Deutschland beim Eurofighter-Jet und bei Hubschraubern dachte EADS-Chef Thomas Enders jüngst sogar laut über einen Ausstieg aus der Rüstungssparte nach.
Der US-Erzrivale Boeing - dem Airbus seit einigen Jahren die Spitzenposition bei großen Passagierflugzeugen abgenommen hat - hat schon vor 15 Jahren so etwas wie die Blaupause für die geplante Fusion der Europäer geliefert und mit der Übernahme des heimischen Wettbewerbers McDonnell-Douglas sein militärisches Standbein stark ausgebaut - er macht inzwischen fast die Hälfte des Umsatzes mit der Rüstungssparte. Lockheed-Martin, derzeit Nr. 1 der US-Rüstungskonzerne, hat sich noch früher auf Kampfjets, Militär-Transportflieger und Raketen konzentriert.
Fusioniert wären EADS und BAE der mit Abstand weltgrößte Rüstungslieferant. Dass die EADS-Aktie am Donnerstag dennoch abstürzte, reflektiert eher die Sorge der Anleger, dass die Megafusion an politischen Einwänden aus Berlin und Paris scheitern könnte.