• vom 19.09.2012, 18:28 Uhr

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Update: 19.09.2012, 18:50 Uhr
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Analyse

Gehaltserhöhung deckt offene Gräben in Südafrika nicht zu


Von Klaus Huhold

  • Streik in Marikana-Mine ist beendet und hinterlässt Präsident Zuma ramponiert.

Johannesburg. Viele Arbeiter jubelten, als das Angebot verkündet wurde. Der Platinproduzent Lonmin hat den Kumpeln in Südafrikas bestreikter Marikana-Mine zwischen 11 und 22 Prozent mehr Gehalt versprochen. Laut den Streikenden erhielt ein einfacher Arbeiter bisher 4500 Südafrikanische Rand (420 Euro), das Angebot blieb hinter der ursprünglichen Forderung von 12.500 Rand zurück. Trotzdem wollen die Kumpel heute, Donnerstag, zur Arbeit zurückkehren.

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Doch auch wenn die Kumpel in der Marikana-Mine beruhigt wurden, ist es mehr als fraglich, ob damit der Arbeitskampf in Südafrika beendet ist. Denn die laut Gewerkschaftern höchste Gehaltserhöhung, die es in Südafrikas Bergbausektor je auf einen Schlag gab, bringt andere Firmen unter Druck. Viele Minen wurden zuletzt bestreikt. Die Lohnerhöhungen ihrer Kollegen bei Lonmin motivieren nun die Bergleute anderer Unternehmen zusätzlich.

Und schon gar nicht kann die Einigung in der Marikana-Mine die offenen Gräben in Südafrikas Gesellschaft zudecken, die der Streik ans Tageslicht gefördert hat. Es zeigte sich, wie schnell ein Arbeitskampf in Gewalt umschlagen kann, wie tief der Frust bei den ärmeren Schichten sitzt, die sich nach dem Ende der Apartheid mehr Wohlstand und Gerechtigkeit erwartet haben. Für ihren Kampf bezahlten die Kumpel einen hohen Preis: 46 Menschen wurden bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Arbeitern in den vergangenen Wochen getötet. 34 davon starben am 16. August bei einem brutalen Polizei-Einsatz, für den die Ordnungskräfte in Südafrikas Medien scharf kritisiert wurden.

Stunde des Populisten
Aber auch das Vorgehen der Streikenden wurde vielerorts missbilligt. Einige von ihnen waren bewaffnet, etwa mit Macheten, und schreckten vor Gewalt, auch gegen Kollegen, nicht zurück.

Ramponiert aus dem Arbeitskampf geht Präsident Jacob Zuma vom regierenden ANC hervor. Er wirkte zaudernd und bekam zu hören, dass er auf der Seite der Reichen stehe. Ein schwerer Vorwurf gegen den Vorsitzenden einer Partei, deren Wählerbasis zu einem beträchtlichen Teil in den Townships und unter schwarzen Arbeitern zu finden ist.

Stattdessen schlug die Stunde des großen Populisten. Der aus der Partei ausgeschlossene Ex-Chef der ANC-Jugendliga, Julius Malema, wiegelte die Kumpel auf und wurde von ihnen gefeiert. Malema ist ein Opportunist, der seine Fahne in den Wind hängt, doch schaffte er es, den Zorn der Arbeiter zu bündeln. Wenn weiter gestreikt wird, kann man darauf wetten, dass er wieder zündeln wird.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-19 18:35:05
Letzte Änderung am 2012-09-19 18:50:07


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