Peter Layr formuliert ebenso dezent-elegant und ruhig, wie er auftritt: "Wir sehen die Gefahr, dass die in der Energie-Strategie verankerten Energieziele Österreichs nicht erreicht werden", sagt der EVN-Chef und derzeitige Präsident des E-Wirtschafts-Branchenverbandes "Österreichs Energie". Bis 2015 sollte ein Wasserkraftausbau um 3,5 Milliarden Kilowattstunden geschafft sein. 16 Projekte sind in Bau, aber 43 stecken in Verfahren fest. "So wie es heute aussieht, wird 2015 nicht einmal ein Drittel erreicht sein. Der Rest verschiebt sich auf 2020 oder noch später, weil die Genehmigungsverfahren so lange dauern."
"Zeit zum Handeln" - das Motto des zweitägigen Branchen-Kongresses der heimischen E-Wirtschaft in Innsbruck diese Woche war natürlich auch als Aufforderung an den Gesetzgeber zu lesen, für "mehr Rechtssicherheit, Planungssicherheit und Sicherheit bezüglich der Finanzierungsbedingungen zu sorgen", so Tiwag-Vorstandschef Bruno Wallnöfer, der auch in Tirol die Ausbauziele gefährdet sieht: "Allein die Vorbereitungszeit und die Variantenprüfung für das Einreichoperat Kaunertal hat sieben Jahre erfordert." Und jetzt rechnen die Tiroler für das Projekt - es ist übrigens eines der Pumpspeicherkraftwerke für die viel propagierte "grüne Batterie" im Herzen Europas - mit mindestens fünf weiteren Jahren Verfahrensdauer über zwei Instanzen.
Aber die "überaus langwierigen Verfahren" sind gar nicht die größte Gefahr für die heimische E-Wirtschaft – die dank Wasserkraft ohnehin Europameister mit zwei Dritteln Stromerzeugung aus Erneuerbarer Energie ist. Warum die Branche beim Umbau des Energiesystems in Europa auf erneuerbare Energien "dringend mehr Unterstützung von Politik und Verwaltung" braucht, liegt daran, dass das "aus der Phase der Liberalisierung stammende derzeitige Marktdesign den inzwischen eingetretenen Impuls zum Ausbau der erneuerbaren Energien nicht ausreichend berücksichtigt". Das führt - Layr formuliert gewohnt dezent - "zu starken Instabilitäten bei Strompreisen- und -mengen an den Energiebörse in Österreich und Europa".
In Prosa: Die deutsche Energiewende droht vom eleganten Ausstieg aus der Kernenergie zum Salto Bauchfleck-Landung zu werden. Denn beim Nachbarn läuft die Ökostromförderung völlig aus dem Ruder: Weil Solar- und Windstromerzeuger viel mehr produzieren als erwartet, werden die privaten Stromkunden ab 2013 um rund 50 Prozent mehr Ökozuschlag zahlen müssen, nämlich 5,3 Cent je Kilowattstunde, 185 statt 125 Euro pro Jahr und Durchschnittshaushalt. Auch die Österreicher werden nicht ganz ungeschoren davonkommen, die Strompreise werden aber hierzulande viel weniger stark steigen – so wie sie übrigens auch schon bisher weniger als die Inflationsrate insgesamt zulegten.