• vom 15.09.2017, 12:30 Uhr

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Von Christian Mayr

  • Tag der Entscheidung für Marcel Koller. So oder so muss sich im ÖFB-Team etwas ändern.

Marcel Kollers Zukunft liegt im Nebel - und in den Händen der Präsidiumsmitglieder.

Marcel Kollers Zukunft liegt im Nebel - und in den Händen der Präsidiumsmitglieder.© Herbert Neubauer/apa Marcel Kollers Zukunft liegt im Nebel - und in den Händen der Präsidiumsmitglieder.© Herbert Neubauer/apa

Wien. Würde sich Österreich an seinem großen Bruder Deutschland orientieren, stünde der neue Trainer des Nationalteams längst fest: Marcel Koller wäre sein eigener Nachfolger. Denn sechs Jahre Amtszeit sind im Vergleich zu Joachim Löw, der der DFB-Auswahl seit 2006 und damit mehr als eine Dekade vorsteht, ein Klacks - und wer auf Kontinuität setzen und erfolgreich sein will, muss auch in (ganz) schlechten Zeiten zu seinem Trainer halten. Doch nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich: Denn Löw hat zwar manch entscheidende Spiele verloren, 2014 aber den WM-Titel geholt. Der 56-jährige Schweizer indes kann weder großartige Erfolge (eine fast makellose EM-Qualifikation ist global betrachtet noch kein rasender Triumph) aufweisen, noch hat er zuletzt den Biss erkennen lassen, das von ihm aufgebaute Team auch Richtung Euro 2020 zu führen.

Die miserable WM-Qualifikation, die für den ÖFB die schlechteste aller Zeiten werden könnte, hängt wie Blei an Koller. Dennoch soll er sich dazu entschlossen haben, seinen bis Dezember laufenden Vertrag zu erfüllen und für eine weitere Verlängerung zur Verfügung zu stehen. Möglicherweise auch nur ein geschickter Schachzug, um den ÖFB unter Druck zu setzen und sich nicht die Blöße des Versagens zu geben. Wie auch immer - am Freitagabend stimmen 13 ÖFB-Präsidiumsmitglieder darüber ab, ob es mit Koller weitergeht oder ein Neuer gesucht wird.


Desaströse Defensive
So oder so, es wird sich auch auf der Trainerbank einiges ändern müssen, damit das Team wieder eine schlagkräftige Truppe wird. Zunächst sind einmal Fähigkeiten punkto Kommunikation und Motivation vonnöten. Was Marko Arnautovic zuletzt eingefordert hat, dass die Misserfolge seit der Euro schonungslos aufgearbeitet gehörten, ist tatsächlich überfällig. Das Trauma von Frankreich spukt immer noch in den Köpfen rum - ebenso wie die dabei offenbar zu Tage getretenen Risse im Mannschaftsgefüge. Hier die Gruppe um David Alaba, Aleksandar Dragovic und Arnautovic, da jene um Julian Baumgartlinger, Martin Harnik und Marc Janko. Wer wieder eine Wohlfühloase schaffen will, muss dafür sorgen, dass die Köpfe durchlüftet werden, und sich dann ans Teambuilding machen.

Apropos Alaba: Auch in der Endlos-Debatte, wo der nominell beste Spieler eingesetzt wird, ist eine Grundsatzentscheidung fällig. Dort, wo er zuletzt agierte - nämlich im Mittelfeld - ist er keine Hilfe; und dass der Bayern-Star sich offenkundig weigern darf, auf seiner angestammten Linksverteidiger-Position zu spielen, ist ein unerträglicher Zustand. Ein Teamchef sollte das Pouvoir haben, hier ein Machtwort zu sprechen, Alaba als Außenverteidiger einzusetzen und damit die zuletzt desaströse ÖFB-Defensive zu stabilisieren.

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Schlagwörter

Analyse, Marcel Koller, ÖFB, Fußball

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-09-14 15:54:06
Letzte ─nderung am 2017-09-14 15:58:44



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