• vom 06.11.2017, 17:44 Uhr

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Update: 08.11.2017, 16:47 Uhr

Saudi-Arabien

Riads Kronprinz greift durch




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Von Arian Faal

  • Analyse: Der saudische Thronfolger Mohammed bin Salman krempelt das wahhabitische Königreich radikal um und beendet die Konsenspolitik innerhalb des sunnitischen Landes.

König Salman (l.) gibt immer mehr Macht an seinen Sohn ab.

König Salman (l.) gibt immer mehr Macht an seinen Sohn ab.© ap König Salman (l.) gibt immer mehr Macht an seinen Sohn ab.© ap

Riad/Wien. Mit dem radikalen politischen Paukenschlag vom Wochenende inklusive Verhaftungen, Entlassungen und Reisebeschränkungen von höchsten Würdenträgern und Politikern nimmt die Weichenstellung für die nächste Generation im saudischen Königshaus konkrete Konturen an. Der kranke König Salman hat auf Wunsch seines Sohnes und Nachfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman (MbS), nicht nur zwei zentrale Minister in seinem Kabinett ausgetauscht, sondern auch einige seiner eigenen Kompetenzen abgegeben.

Die Idee dahinter: Der Kronprinz will die Kontrolle über den Sicherheitsapparat des Landes festigen. Hierfür wurde ein neuer "Anti-Korruptionsausschuss" geschaffen, den der 32-jährige Kronprinz leitet. Eine der ersten Amtshandlungen des Gremiums war die Festnahme von elf Prinzen, vier amtierenden Ministern, hohen Geistlichen und zehn Ex-Ministern. Der Ausschuss hat nicht nur weitreichende politische, sondern auch Personal-Kompetenzen.


Absolutistische Machtbefugnisse
MbS, der erst im Juni zum Kronprinzen ernannt wurde und bereits Verteidigungsminister ist, kann nun mit fast absolutistischen Machtbefugnissen noch mehr in das politische Tagesgeschehen eingreifen: Sein Komitee darf Ermittlungen einleiten, Haftbefehle erlassen sowie Reiseeinschränkungen und das Einfrieren von Vermögenswerten anordnen. Zudem lenkt er jetzt schon die innere Sicherheit des Königreiches und den Zugang zu seinem alten, kranken Vater.

Die politischen Umfärbungen sind auch ein Signal an die Königsfamilie, nämlich, dass die Ära von Salmans Vorgänger Abdullah endgültig vorüber ist. Ein Beispiel dazu: Neuer Minister der Nationalgarde wurde Khaled bin Ajjaf. Er ersetzt Prinz Miteb. Dieser war der Lieblingssohn des verstorbenen Königs Abdullah. Lange galt er als führender Anwärter auf den Thron. Prinz Miteb war der letzte Vertreter des Abdullah-Zweigs der königlichen Familie, der noch einen höheren Posten in Saudi-Arabiens Machtgefüge innehatte. Wirtschaftsminister Adel Fakieh, der ebenfalls als Relikt aus der Vergangenheit gesehen wird, wurde durch seinen Stellvertreter Mohammed al-Tuwaijri ersetzt.

Unter den festgenommenen Prinzen und Würdenträgern in Saudi-Arabien ist laut regierungsnahen Medien auch der Milliardär Al-Walid bin Talal. Der 62-jährige Saudi gilt als einer der einflussreichsten Geschäftsleute im Nahen Osten. Prinz Walid, ein Enkel des Staatsgründers Ibn Saudi, ist dem Magazin "Forbes" zufolge mit etwa 16 Milliarden Euro Vermögen der reichste Mann der arabischen Welt. Sein Geld hat er mit Immobilien gemacht. Ihm gehören über seine Kingdom Holding unter anderem zahlreiche Luxushotels wie das George V in Paris oder das Savoy in London. Auch am Kurznachrichtendienst Twitter ist er beteiligt.

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Dokument erstellt am 2017-11-06 17:47:06
Letzte Änderung am 2017-11-08 16:47:08



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