• vom 29.08.2017, 10:00 Uhr

Alpbach Diary

Update: 29.08.2017, 10:10 Uhr

Nahrung

Die Last der Fleischeslust




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Franz Zauner


    Auch aus der Perspektive der Rinder ist der weltweit steigende Fleischkonsum keine gute Sache. - © de.fotolia.com/Countrypixel

    Auch aus der Perspektive der Rinder ist der weltweit steigende Fleischkonsum keine gute Sache. © de.fotolia.com/Countrypixel

    Franz Zauner ist Online-Chef der "Wiener Zeitung".

    Franz Zauner ist Online-Chef der "Wiener Zeitung". Franz Zauner ist Online-Chef der "Wiener Zeitung".

    Wir sind nicht nur viele, wir sind an der Macht. Das Anthropozän hat begonnen. Der Mensch schreibt Erdgeschichte. Und huldigt nach wie vor dem Stoff, der ihn schon im Holozän groß und stark gemacht hat: dem Protein. Am liebsten nimmt er es in Form von Fleisch zu sich, deshalb müssen so viele Tiere leben und sterben wie nie zuvor. Ein Fleischberg von 300 Millionen Tonnen wird Jahr für Jahr vertilgt, 42 Kilogramm sind es im Durchschnitt pro Erdenbürger. Die Fleischeslust ist übermächtig, und sie bedeutet eine schwere Last für den Planeten. Der Tisch ist für acht Milliarden Menschen kaum mit Steaks, Schnitzel und Fischstäbchen zu decken.

    Vor einigen Jahren stellte der holländische Forscher Mark Post einen Burger aus der Retorte vor. Es war der teuerste Burger aller Zeiten, um die 250.000 Euro hat er verschlungen. Beim Geschmackstest fiel das teure Laborlaibchen durch. Dennoch schmeckt kultiviertes Fleisch nach mehr, nämlich nach einem Ausweg. Es wäre Fleisch, das als Stammzellen-Klumpen in der Petrischale beginnt, sich im Labor auswächst und am Ende verarbeitet werden könnte, ohne gelebt haben zu müssen. Es gibt weder Kastenstände noch Spaltenboden, noch das Grauen der toten Fleischmassen, denen man das Leben, das sie für unseren Appetit lassen mussten, noch ansieht.

    Es hat mit der Monstrosität industrieller Landwirtschaft zu tun, dass der Gedanke an Laboressen langsam erträglich wird. Den Methan-Furzen, die aus gigantischen Rinderherden aufsteigen, den Horror-Keimen aus der Massentierhaltung, der schieren Menge an Wasser, Land und Energie, die nötig ist, um Fleisch in nie gekanntem Ausmaß auf die Teller zu bringen.

    Der achtlose Gestus der Verschwendung, der dem großen Fressen innewohnt, braucht eine Korrektur. Es gibt schon jetzt Tiere, die für die planetare Ökologie und das menschliche Gewissen besser verdaulich sind. Man nennt sie Insekten. Und am Horizont tauchen großtechnische Lösungen auf, die auf den ersten Blick nicht appetitlich wirken, aber dennoch in Frage kommen: Bio-Tanks, in denen Fleischzellen zu Hamburgern heranwachsen. Auch Käse und Bier waren einmal gewöhnungsbedürftige High-Tech-Nahrungsmittel. Der Verzehr von Rindern und Schweinen könnte einmal so archaisch wirken wie der Braten vom Höhlenbären.

    Werbung



    1 Leserkommentar




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-24 14:38:41
    Letzte ńnderung am 2017-08-29 10:10:17



    Werbung




    Werbung


    Werbung