• vom 22.08.2017, 09:29 Uhr

Alpbach Diary

Update: 29.08.2017, 09:31 Uhr

Forum Alpbach

Woran Österreichs Gesundheitssystem leidet




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Von Brigitte Pechar


    Brigitte Pechar

    Brigitte Pechar© WZ Brigitte Pechar© WZ

    Was in Österreich wirklich gut funktioniert, ist die Spitzenmedizin. Akutfälle können darauf vertrauen, bestens versorgt zu werden. Was erodiert, ist der niedergelassene Bereich. Dafür sind mehrere Faktoren verantwortlich: Die noch immer unzureichende Ausbildung der Allgemeinmediziner. Und ein
    veraltetes Honorarsystem, das Massenabfertigung provoziert und damit die Patienten in Scharen zu Wahlärzten lenkt. Eine teure Lösung sowohl für die Patienten als auch für die Sozialversicherung.

    Bei der letzten Reform der Facharztausbildung im Krankenhaus vor einigen Jahren wurde verabsäumt, die Allgemeinmedizin auf internationalen Standard zu bringen. Wieder ist es nicht gelungen, einen Facharzt für Allgemeinmedizin zu etablieren. Das hat Folgen für das Fach – negative wohlgemerkt. Auch die notwendige Ausbildung der Allgemeinmediziner in Lehrpraxen – ebenfalls internationaler Standard – wurde aufgrund mangelnden Willens einer österreichischen Lösung zugeführt: Dass angehende Allgemeinmediziner eine Ordination eröffnen können, ohne je zuvor in einer solchen Erfahrung gesammelt zu haben, ist eigentlich unverantwortlich. Denn anstatt eine zumindest einjährige Lehrpraxis bei einem Hausarzt verpflichtend zu machen, kann in Österreich die Lehrpraxis auch in einer Spitalsambulanz absolviert werden. Diese wird dort aber immerhin – so wie jede andere Facharztausbildung auch – von der Allgemeinheit finanziert. Die Ausbildung in einer Lehrpraxis bleibt zu 30 Prozent an den Hausärzten hängen, die daher nicht unbedingt ermutigt werden, eine Lehrpraxis anzubieten. Die Katze beißt sich in den Schwanz: Fehlende Plätze werden durch die Ambulanz ersetzt, was wiederum mangelnde Erfahrung bedeutet.

    Also: Weder der Leistungskatalog der Krankenkassen für Allgemeinmediziner noch deren Ausbildung sind ein Ruhmesblatt. Beide sind aber Voraussetzungen, um die teure Spitalsmedizin durch den ambulanten Bereich ersetzen zu können. Primärversorgungszentren können den drohenden Ärztemangel zwar eindämmen, aber abfangen werden sie ihn nicht können – denn die beiden Kritikpunkte gelten auch für Primary Health Care Center. Was diese leisten können, ist eine bessere Rundum-Versorgung, bessere Öffnungszeiten, Kooperationen und Beratungen zwischen Medizinern und medizinischen Berufen. Ein Anfang, aber keine wirkliche Lösung.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-08-29 09:29:58
    Letzte nderung am 2017-08-29 09:31:45



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